Reform der Lehrerbildung

Lehrerbildung

Reform der Lehrerbildung

  • Seminar, Foto: Pädagogische Hochschule Heidelberg

»Die Reform eröffnet starke Orte, an denen die Lehrerbildung verantwortet, beforscht und weiterentwickelt wird.«

Ministerin Theresia Bauer

Baden-Württemberg reformiert seine Lehrerbildung. Das Lehramtsstudium soll angehende Lehrkräfte künftig noch besser auf die hohen Anforderungen in der Schule vorbereiten. Die Reform ermöglicht Universitäten, Pädagogische Hochschulen und anderen Hochschulen eine intensive Zusammenarbeit. Fachdidaktische und fachwissenschaftliche Inhalte werden im Studium optimal aufeinander abgestimmt. Ermöglicht wurde dies durch die Umstellung aller Lehramtsstudiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse ab Wintersemester 2015/16.

Was sind weitere zentrale Maßnahmen der Reform?

  • Um die zukünftigen Lehrkräfte auf die gestiegenen Anforderungen in der Schulpraxis besser vorzubereiten, werden

    • alle allgemeinbildenden Lehramtsstudiengänge zum Wintersemester 2015/16 auf die Bachelor- und Master-Struktur umgestellt; die neue Studienstruktur ermöglicht den Studierenden, sich erst verbindlich für den Lehrerberuf bzw. für ein spezifisches Lehramt zu entscheiden, nachdem sie im Bachelor erste Erfahrungen gesammelt haben;
    • die Regelstudienzeit der Lehramtsstudiengänge für die Sekundarstufe I und für Sonderpädagogik auf zehn Semester verlängert;
    • Inhalte zu Grundfragen der Inklusion in jedem Lehramtsstudium (BA-/MA-Studiengang) in den Bildungswissenschaften verbindlich studiert;
    • die Fachdidaktik im Lehramt Gymnasium bei unverändertem Anteil der Fachwissenschaften erhöht, im Lehramt Sekundarstufe I wird der Anteil der Fachwissenschaften ausgebaut;
    • die Eigenständigkeit der Lehramtsstudiengänge in Baden-Württemberg mit ihren spezifischen Profilen erhalten. Es wird daher auch künftig Studiengänge für die Grundschule, für die Sekundarstufe I, für das Gymnasium und für die Sonderpädagogik geben.

Was leisten die neuen Schools of Education?

  • Gerade an den Universitäten gilt: Das Lehramtsstudium ist sehr dezentral organisiert. Die Studierenden studieren ihre Fächer an verschiedenen Fachbereichen. Für die bildungswissenschaftlichen Inhalte ihres Studiums sind die erziehungswissenschaftlichen Fachbereiche verantwortlich.
    Die Inhalte des Lehramtsstudiums aufeinander abzustimmen ist daher eine große Herausforderung. Ihr haben sich bislang mit großem Einsatz die Zentren für Lehrerbildung an den Universitäten angenommen.
    An vielen Universitäten kümmern sich Einzelpersonen - häufig abgeordnete Gymnasiallehrer - um die Koordination des Lehramtsstudiums.
    Diese Koordination wird durch die neuen Schools of Education nun massiv aufgewertet. Im Gegensatz zu den Zentren für Lehrerbildung sind Schools of Education eigenständige wissenschaftliche Einrichtungen, die eng mit den lehramtsausbildenden Fakultäten verflochten sind.
    Ihre Geschäftsstellen werden künftig deutlich größer und in der Koordination des Lehramtsstudiums schlagkräftiger sein. In die Schools of Education sind Professorinnen und Professoren der verschiedenen Fachbereiche einbezogen. Das wertet die Lehrerbildung innerhalb der Universitäten stark auf.
    Zugleich sind die Schools of Education in der Lage, ganz neue Aufgaben zu übernehmen. Vor allem zu nennen sind:

    • Die Lehrerbildung wird in den Schools of Education selbst zum wissenschaftlichen Gegenstand. Sie wird beforscht und weiterentwickelt.
    • An den Schools of Education können dazu eigene Nachwuchsförderstrukturen eingerichtet werden, beispielsweise in Form von Graduiertenkollegs.
    • Wichtige Elemente für eine zukunftsfähige Lehrerbildung werden wissenschaftlich weiterentwickelt: z. B. Professionsbezug, Fragen von Inklusion und Diversity.


    Die Einrichtung von Schools of Education ermöglicht lehramtsbezogene Fragen systematisch zu behandeln, für die bislang kein Ort vorhanden war:

    • Fragen der Internationalisierung und der sprachlichen und kulturellen Diversität (Lehrerinnen und Lehrer wie Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, internationaler Austausch)
    • Evaluation der Lehrerbildung, Aufbereitung von Best-Practise-Modellen in der Lehrerbildung
    • Etablierung von professionsbezogenen Beratungs- und Reflexionsangeboten für Studierende während ihrer gesamten Studienlaufbahn

Wie stärkt die Reform die Zusammenarbeit von Hochschulen?

  • Universitäten und Pädagogische Hochschulen sind - zusammen mit den anderen lehrerbildenden Hochschulen - und den Staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung die zentralen Pfeiler der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg.
    Die Universitäten - zuständig für die Ausbildung von Gymnasiallehrerinnen und -lehrern - stehen vor allem für umfassende fachwissenschaftliche Expertise.
    Die Pädagogischen Hochschulen - an denen die Lehrkräfte für die Grundschule und die Sekundarstufe I sowie für Sonderpädagogik studieren - sind Spezialisten für das Lernen mit besonderen Kompetenzen in Fachdidaktik und Bildungswissenschaften. Die Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung sind ein entscheidendes Bindeglied zwischen der Ausbildung an der Hochschule und dem Unterricht an der Schule. Die Reform führt die Stärken der Hochschularten zusammen. In Schools of Education können sie künftig gemeinsam verantwortete Masterstudiengänge anbieten. In gleich vier neu eingerichteten Schools of Education oder vergleichbaren Modellen der institutionalisierten Lehrerbildung, die durch Mittel der Qualitätsoffensive Lehrerbildung und im Rahmen der Landesausschreibung Lehrerbildung gefördert werden, ist eine starke Zusammenarbeit von Hochschulen vorgesehen:

    • Universität und Pädagogische Hochschule Heidelberg
    • Universität und Pädagogische Hochschule Freiburg
    • Universität Stuttgart und Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Universität Hohenheim, Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
    • Universität Konstanz mit der schweizerischen Pädagogischen Hochschule Thurgau

Wie profitieren Gymnasiallehrerinnen und -lehrer?

  • Von der Reform profitieren insbesondere auch angehende Gymnasiallehrkräfte. Denn so fachlich fundiert ihre Ausbildung in der Vergangenheit auch war, fehlte der Lehrerbildung meist eine Verankerung an den Universitäten. Lehramtsstudierende liefen oft nur als Gäste der regulären Studiengänge mit.

    Mit den Schools of Education entstehen nun starke Orte für die Lehrerbildung an den Universitäten, die sich der Lehramtsstudierenden annehmen, die Inhalte des Lehramtsstudiums abstimmen und die die berufsbezogene Ausbildung der künftigen Gymnasiallehrer verantworten. Dabei misst die Weiterentwicklung der Lehrerbildung in Baden-Württemberg den Fachwissenschaften weiterhin eine hohe Bedeutung bei. Demzufolge bleibt in den neuen gymnasialen Lehramtsstudiengängen die Belegung von zwei Hauptfächern bei gleich bleibenden ECTS-Punkten verbindlicher Bestandteil des Studiums.

    Dort, wo Universitäten künftig mit Pädagogischen Hochschulen zusammenarbeiten, steht Studierenden der Universitäten zudem künftig das umfangreiche bildungswissenschaftliche Lehrangebot der Pädagogischen Hochschulen offen.

Wie profitieren Studierende der Pädagogischen Hochschulen?

  • Den Pädagogischen Hochschulen ist es aufgrund ihres Fokus auf Bildungswissenschaften und Fachdidaktik sowie ihrer geringeren Größe nicht möglich, für ihre Studierende ein fachwissenschaftliches Angebot vorzuhalten, das mit dem der Universitäten zu vergleichen wäre.

    Dort, wo Pädagogische Hochschulen und Universitäten in Zukunft zusammenarbeiten, werden Studierende der Pädagogischen Hochschulen Zugang zum gesamten Spektrum der universitären Studiengänge und der dahinterliegenden Forschung an den Universitäten haben.

    Die Schools of Education werden dafür sorgen, dass Studierenden der Pädagogischen Hochschulen passende Angebote an Universitäten offen stehen. Auch ist es künftig möglich, dass Lehrende der Universitäten Veranstaltungen an den Pädagogischen Hochschulen anbieten.

Chronologie der Reform

Vorhergegendes Element anzeigen

März 2012

Expertenkommission eingesetzt

Expertenkommission Lehrerbildung nimmt Arbeit auf

Zentraler Auftrag der Kommission: Wie kann die Lehramtsausbildung an Unis und Pädagogischen Hochschulen stärker zusammengeführt und der Bologna-Prozess umgesetzt werden. Ein Jahr später legt die Kommission ihre Ergebnisse vor.

27. Juni 2012

Forum Lehrerbildung begleitet Expertenkommission

Forum Lehrerbildung in Stuttgart

Das Forum Lehrerbildung bietet Gelegenheit zum Austausch der Expertenkommission mit Akteuren der Praxis der Lehrerausbildung.

7. Mai 2013

Fachtagung zur Diskussion der Empfehlungen der Expertenkommission

Expertenergebnisse werden diskutiert

Teilnehmer sind vor allem an der Lehrerbildung beteiligte Akteure: Universitäten, Pädagogische Hochschulen und Staatliche Seminare für Didaktik und Lehrerbildung, Studierende, Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie Verbände.

September 2013

Delegationsreise nach Finnland und Schweiz.

Wissenschaftsministerin Bauer und Kultusminister Stoch besuchen Finnland und Schweiz

Themen der Delegationsreise sind u.a. die Ausgestaltung von Lehramtsstudiengängen und Verfahren zur Eignungsfeststellung für Lehramtsstudierende.

3. Dezember 2013

Ministerrat beschließt Eckpunkte der Reform

Kabinett segnet Eckpunkte der Reform ab

Vereinbart werden u.a. Möglichkeiten für eine bessere Kooperation der PHen und Unis z.B. in Form gemeinsam verantworteter Masterstudiengänge.

Ab Anfang 2014

Wissenschaftsministerium und Kultusministerium erstellen Grundsätze für Reformumsetzung

Grundsätze für Umsetzung der Reform

Die von Wissenschafts- und Kultusministerium erarbeiteten Grundsätze werden in einem Lenkungskreis mit Universitäten, Pädagogischen Hochschulen, Kunsthochschulen, Musikhochschulen sowie der Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung erörtert.

Ab April 2014

Rahmenverordnung zum neuen Lehramtsstudium wird erarbeitet

Rahmenverordnungen sorgen für klare Struktur

Kommissionen aus Universitäten, Pädagogischen Hochschulen und weiteren Hochschulen, den Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung, den Schulen, Kirchen und Religionsgemeinschaften erarbeiten auf Basis der Grundsätze zur Umsetzung der Reform eine Rahmenverordnung mit Vorgaben zu Inhalt und Ausgestaltung der neuen Lehramtsstudiengänge.

16. Dezember 2014

Ministerrat beschließt Konkretisierung der Reform

Kabinett verabschiedet Reformplan

In seiner Sitzung beschließt der Ministerrat Baden-Württembergs eine konkretisierte Reformagenda.

Mai 2015

Rahmenvorgabenverordnung für Lehramtsstudiengänge tritt in Kraft

Herbst 2015

Umstellung aller Lehramtsstudiengänge auf Bachelor und Master

Bachelor und Master werden eingeführt

Zum Wintersemester 2015/16 haben alle Universitäten und Pädagogischen Hochschulen des Landes die Umstellung des Lehramtsstudiums auf Bachelor- und Masterabschlüsse vollzogen.

Nächstes Element anzeigen
Vorhergegendes Element anzeigen
Nächstes Element anzeigen

Fußleiste