Studienplätze für Pflege, Therapie und Hebammenwesen

Gesundheitsfachberufe

Baden-Württemberg verdoppelt Studienanfängerplätze für Pflege, Therapie und Hebammenwesen

  • Foto: Christian Charisius/dpa

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: "Damit der medizinische Fortschritt bei den Menschen ankommt, brauchen wir mehr akademisch ausgebildete Gesundheitsfachkräfte.

Durch die Ausbildung auf Hochschulniveau gewährleisten wir hohe Qualität bei steigenden Anforderungen im Gesundheitsbereich."

Die Menschen im Südwesten werden älter. Und sie bleiben länger aktiv – nicht zuletzt dank immenser Fortschritte in medizinischer Diagnostik und Therapie. Gleichzeitig nehmen aber auch Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität) und chronische Erkrankungen zu.

Mit neuen Behandlungsmethoden steigen die Anforderungen an Fachkräfte in Pflege und Therapie. Auch bei der Versorgung von Frühchen und Neugeborenen bieten sich mehr Möglichkeiten. Die Landesregierung fördert daher, 735 Studienanfängerplätze in den Bereichen Pflege, Therapie und Hebammenwesen.

„Wir wollen den Menschen in Baden-Württemberg eine optimale medizinische Versorgung bieten. Daher bilden wir heute die Fachkräfte für morgen aus“, so Wissenschaftsministerin Bauer. „Ein Teil der Fachkräfte im Gesundheitsbereich muss akademisch ausgebildet werden. Wir tragen damit den gestiegenen Anforderungen Rechnung.“

Ausbau in Zahlen

Aktuelle Untersuchungen gehen davon aus, dass bis 2030 rund 50 Prozent mehr Pflegekräfte gebraucht werden. Gleichzeitig wird das Aufgabenspektrum in den Bereichen Pflege, Therapie und Hebammenwesen immer komplexer und anspruchsvoller.

In Teilbereichen ist daher eine stärker wissenschafts-, theorie- und evidenzbasierte Ausbildung erforderlich. Zum Wintersemester 2015/2016 hat das Land bestehende Studiengänge mit 175 Plätzen zusätzlich finanziert. Zum Wintersemester 2016/2017 und 2017/18 schafft die Landesregierung neue Studienplätze

  • im Bereich der Pflege und Interprofessionellen Gesundheitsversorgung mit 360 zusätzlichen Anfängerplätzen in Bachelorstudiengängen und 65 Plätzen in Masterstudiengängen.
  • Die Physiotherapie wird mit 60 Plätzen (Bachelor) und 15 Plätzen im Masterbereich gestärkt.
  • Für Hebammenwesen gibt es ebenfalls 60 Plätze (Bachelor).

Mit insgesamt 735 zusätzlich finanzierten und rund 550 bereits vor dem Wintersemester 2015/2016 bestehenden Anfängerplätzen wird in Baden-Württemberg die Studienkapazität in diesem Bereich mehr als verdoppelt. Das Land setzt damit die Empfehlungen des Wissenschaftsrats zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen um.

Empfehlungen des Wissenschaftsrats

Der Wissenschaftsrat – das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland – empfiehlt eine Akademisierungsquote von zehn bis 20 Prozent eines Ausbildungsjahrgangs in den Bereichen Pflege, Therapie und Hebammen. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass ein typisches multidisziplinäres Team im Gesundheitsbereich fünf bis zehn Personen umfasst und eine davon hochschulisch qualifiziert sein sollte.

Weiterer Ausbau angestrebt

Ziel ist es, zu einem späteren Zeitpunkt zusätzliche Studienangebote auch im Bereich der Ergotherapie, Logopädie und Neurorehabilitation zu schaffen. Zudem sei ein weiterer Ausbau im Bereich Pflege, Therapie und Hebammenwesen denkbar.

 „Wir werden weiterhin flexibel auf künftige Erfordernisse reagieren“, so Wissenschaftsministerin Bauer. „Gleichzeitig steht das nötige Lehrpersonal erst schrittweise zur Verfügung.“

 Auch die Träger im Gesundheitssektor bräuchten noch Zeit, um sich auf die neue Situation einzustellen. Vielfach müsse noch ein Bewusstseinswandel einsetzen, was die Akzeptanz und die Bezahlung der an Hochschulen ausgebildeten Gesundheitsfachkräfte angehe. Dies alles spreche für einen schrittweisen Ausbau, wie ihn die Landesregierung vorsehe.  


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