Pressemitteilung

Studium
  • 13.10.2017

Reaktion auf IQB-Studie

  • Foto: Wolfram Kastl/dpa

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer: „Jetzt geht es darum, miteinander Verantwortung zu übernehmen, denn beste Bildung in den Grundschulen ist unser gemeinsamer Auftrag. Hier wird die Basis für Bildungschancen gelegt. Alle sind daher gefragt, in ihrem Bereich die notwendigen Maßnahmen zu entwickeln und voranzubringen.“

„Der erste Blick auf die Ergebnisse der IQB-Studie zeigt bereits: Es gibt dringen­den Handlungs­bedarf. Wir werden die Ergebnisse deshalb zusammen mit dem Kultus­minis­te­rium, den Pädagogischen Hochschulen und den für die Grund­schulen Verantwortlichen besprechen. Zwar sind wir gut beraten, die Ergeb­nisse gründlich zu analysieren und keine Schnell­schüsse zu machen. Aber wir werden mit der notwendigen Dringlichkeit und Konzentration die nächsten Schritte angehen“, kommentierte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am Freitag (13. Oktober) in Stuttgart die Ergebnisse der aktuellen IQB-Studie. Nachdem sich die baden-württembergischen Grundschulen im Jahr 2011 im Ländervergleich noch durchweg in der vorderen bzw. der erweiterten Spitzengruppe eingereiht haben, liegen sie nun im Mittelfeld.

Alle seien jetzt gefordert, in ihrem Bereich geeignete Maßnahmen zu entwickeln: von der ersten Phase der Lehrerausbildung über die zweite Phase des Referen­dariats und die Fortbildungen bis zum Unterrichtsalltag, Lehrerteams und Schulleitungen. „Jetzt geht es darum, dass alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Gemeinsam müssen wir die Aufgabe angehen beste Bildung in unseren Grundschulen ist unser gemeinsamer Auftrag. Hier wird die Basis für Bildungs­chancen gelegt“, betonte Bauer. Bereits in den letzten Jahren seien wichtige Reformen eingeleitet worden, weitere Maßnahmen würden nun auf den Weg gebracht.

Wichtige Reformen bereits eingeleitet – Wirkung ab diesem Schuljahr

Die Fachlichkeit der Lehrerinnen und Lehrer und den Schulbezug bereits in deren Ausbildung zu stärken, sei grundsätzlich richtig, so die Ministerin weiter. „Wir haben deshalb bereits in der letzten Legislaturperiode die ersten wichtigen Weichen gestellt und 2011 und 2015 zwei Reformen der Lehrerausbildung auf den Weg gebracht, die genau die Herausforderungen aufgreifen, die nun in den Fokus rücken“, so die Ministerin. Diese beinhalten:

  • Mehr fachliche Tiefe durch weniger Studienfächer
  • dabei verpflichtend Deutsch und Mathematik
  • eine gleichzeitige Verlängerung des Studiums von 6 auf 8 Semestern
  • verpflichtende Studieninhalte zu Fragen der Inklusion und Umgang mit Heterogenität
  • Querschnitts­kompe­tenzen in der Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache

Diese Reformen müssten aber auch greifen können - „die ersten Lehrkräfte, die in ihrer Ausbildung von der Verlängerung der Studienzeit von 6 auf 8 Semester profitiert haben, sind gerade erst in diesem Schuljahr in den Schulen angekom­men. Die Lehramtsstudierenden, die in Grundfragen der Inklusion und im Umgang mit zunehmender Heterogenität in den Klassenzimmern ausgebildet werden, stehen noch am Beginn ihrer Ausbildung“, betonte Bauer. Die Lehrerinnen und Lehrer, die aktuell unterrichten, wurden vor diesen Reformen auf der Grundlage der Prüfungsordnung des Kultusministeriums aus dem Jahr 2003 oder vorausgehender Prüfungsordnungen ausgebildet.

Maßnahmen für den Umgang mit Heterogenität

„Gerade die Frage, wie wir mit der Heterogenität und der Vielfalt in den Klassen­zimmern um­gehen, verlangt neue Antworten. Und dabei geht es sowohl um die Förderung leistungsschwächerer Schülerinnen und Schüler wie auch der Leis­tungs­­stärksten. Wir werden deshalb mit allen an der Lehrerbildung Beteiligten, vor allem den Pädagogischen Hochschulen, in einer Fachkonferenz die Rück­meldungen der IQB-Studie intensiv erörtern und auf dieser Basis not­wendige Maßnahmen erarbeiten“, kündigte die Ministerin an.

Auch unterstütze das Wissenschaftsministerium die PHen bei der stärkeren Erforschung der zentralen Themen. Aktuell laufen die Forschungs- und Nachwuchskollegs

  • „Visualisierungen im Deutsch- und Mathematikunterricht“
  • „Effektive Kompetenzdiagnose in der Lehrerbildung“
  • „Diagnostische Kompe­tenzen von Lehrkräften“

„Das nächste Forschungskolleg, das wir noch in diesem Jahr ausschreiben, wird sich mit dem Thema Heterogenität in der Klasse befas­sen“, kündigte die Ministerin an. Bereits zum 1. August 2017 hat das Wissen­schafts­­ministerium an den Pädagogischen Hochschulen das Promotions­kolleg „Deutsch als Zweit­sprache“ eingerichtet. „Wir verstärken die Forschungs­kraft unserer Pädago­gischen Hochschulen und bekommen so neue Erkenntnisse für den richtigen Umgang mit den aktuellen Herausforderungen in der Schule.“

Zudem arbeiten das Wissenschafts- und Kultusministerium aktuell gemeinsam daran, dass genügend motivierte und leistungsstarke Lehrerinnen und Lehrer an die Schulen kommen.

Weitere Informationen

FuN-Kollegs und Promotionsprogramme an den Pädagogischen Hochschulen (PHen)
An den Pädagogischen Hochschulen wurden Forschungs- und Nachwuchs (FuN) Kollegs eingerichtet, die in ihrer Struktur an Graduiertenkollegs der DFG angelehnt sind. In diesem Kontext wurde auch die Möglichkeit geschaffen, Lehrerinnen und Lehrer mit dem Ziel der Promotion oder Habilitation aus dem Schuldienst an die PHen abzuordnen. Aktuelle FuN-Kollegs sind „Visualisi­erungen im Deutsch- und Mathematikunterricht“ und „Effektive Kompetenz­diagnose in der Lehrerbildung“. Zum 1.8.2017 startete ein weites FuN-Kolleg „Diagnostische Kompetenzen von Lehrkräften: Einflüsse, Struktur und Förderung“. 

Ferner können an den PHen Promotionskollegs eingerichtet werden (dies war zuvor nur an Universitäten möglich), in die Lehrkräfte mit dem Ziel der Promotion abgeordnet werden. Aktuelle Promotionskollegs sind „Professionali­sierung in der Lehrerbildung“ und „Bildungsprozesse in der frühen Kindheit verstehen und unterstützen“. Zum 1.8.2017 wurde ein Promotionskolleg „Deutsch als Zweitsprache“ an den PHen eingerichtet. Die FuN- und Promotionskollegs greifen aktuelle Themen aus der Lehrerbildung bzw. Bildungswissenschaften auf, die sie wissenschaftliche aufarbeiten und vertiefen. Hieraus entstehen Synergien für die Lehrerbildung an den PHen, aber auch an den Schulen durch diejenigen Lehrkräfte, die nach der Promotion wieder an die Schulen zurückkehren. 

Landesprogramm Lehrerbildung

Auch im Landesprogramm Lehrerbildung werden neben Universitäten auch an den PHen zu spezifischen Themen, u.a. auch Heterogenität/Deutsch als Zweitsprache und das Thema MINT/Mathematik, bearbeitet. Hier wird u.a. an der PH Ludwigsburg in einem Projekt das Thema „Deutsch als Zweitsprache in allen Fächern“ bearbeitet (rd. 0,9 Mio. €). Die PH Karlsruhe hat zusammen mit dem KIT ein Projekt „Lehr-Lern-Labore im MINT-Bereich“ eingeworben (rd. 2 Mio. €).


Kontakt

Das baden-württembergische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Stuttgart.

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst

Königstraße 46
70173 Stuttgart

Bürgerreferentin:

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