Gesundheitsfachberufe

Ausbau der Studien-anfängerplätze für Pflege, Therapie und Hebammen-wesen

Mit Hilfe von einer Schwester führt eine 80-jährige Frau ein Glas Wasser zum Mund und trinkt. (Foto: © dpa)
„Damit der medizinische Fortschritt bei den Menschen ankommt, brauchen wir mehr akademisch ausgebildete Gesundheitsfachkräfte. Durch die Ausbildung auf Hochschulniveau gewährleisten wir hohe Qualität bei steigenden Anforderungen im Gesundheitsbereich.“
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer

Die Menschen im Südwesten werden älter. Und sie bleiben länger aktiv – nicht zuletzt dank immenser Fortschritte in medizinischer Diagnostik und Therapie. Gleichzeitig nehmen aber auch Mehrfacherkrankungen (Multimorbidität) und chronische Erkrankungen zu. Mit neuen Behandlungsmethoden steigen die Anforderungen an Fachkräfte in Pflege und Therapie. Auch bei der Versorgung von Frühchen und Neugeborenen bieten sich mehr Möglichkeiten.

Die Landesregierung fördert daher Studienanfängerplätze in den Bereichen Pflege, Therapie und Hebammenwesen. „Wir wollen den Menschen in Baden-Württemberg eine optimale medizinische Versorgung bieten. Daher bilden wir heute die Fachkräfte für morgen aus“, so Wissenschaftsministerin Bauer. „Ein Teil der Fachkräfte im Gesundheitsbereich muss akademisch ausgebildet werden. Wir tragen damit den gestiegenen Anforderungen Rechnung.“

Ausbau der Studienanfängerplätze im Hebammenwesen
Zum Wintersemester 2021/22 richtet das Land zusätzlich 95 Bachelor-Studienanfängerplätze ein. Baden-Württemberg erreicht damit bereits vor der gesetzlich vorgegebenen Frist am 1. Januar 2023 die Vollakademisierung der Hebammenausbildung. Das Hebammenreformgesetz bestimmt, dass die Ausbildung ab diesem Zeitpunkt nur noch an Hochschulen erfolgen kann. „Mit dem Ausbau der Studienplätze der Hebammenwissenschaft leisten wir einen entscheidenden Beitrag, um eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe im ganzen Land auch langfristig sicherzustellen. Zugleich decken wir den Bedarf an Studienplätzen im ländlichen Raum im Südwesten Baden-Württembergs“, so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Zwei neue Standorte, insgesamt 260 Studienplätze im Bereich Hebammenwissenschaft
Um den bisherigen Umfang der Ausbildungsplätze zu erhalten und um sicherzustellen, dass genügend Berufsnachwuchs gewonnen wird, sind in Baden-Württemberg insgesamt jährlich 260 Studienanfängerplätze in der Hebammenwissenschaft notwendig. 165 Studienanfängerplätze in der Hebammenwissenschaft sind bereits vorhanden:

  • 60 Plätze an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen und
  • 105 Plätze an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) an den Standorten Stuttgart, Karlsruhe und Heidenheim (Vorlesungsstandort Ulm).

Um die vollständige Akademisierung der Ausbildung zu erreichen, werden zum Wintersemester 2021/22 zusätzlich 95 Bachelor-Studienanfängerplätzen eingerichtet. Dazu werden zwei neue Standorte aufgebaut:

  • 35 Studienanfängerplätze an der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg und
  • 40 Studienanfängerplätze an der Hochschule Furtwangen.
  • Darüber hinaus erfolgt ein weiterer Ausbau der Kapazitäten im Umfang von 20 Studienanfängerplätzen an den bestehenden Standorten der DHBW.

Hebammenwissenschaft: Professionalisierung und Entwicklung der Forschungslandschaft
Zur Akademisierung der Hebammenausbildung gehört auch der Aufbau eines Masterstudiengangs an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. „Für die Weiterentwicklung der Hebammenwissenschaft und als Voraussetzung für die Besetzung von Führungspositionen braucht es auch Masterstudiengänge“, so Wissenschaftsministerin Bauer.

Der Beruf der Hebamme werde durch die Akademisierung weitere Professionalisierung erfahren, sich aber auch neue Felder erschließen. „Akademisierung bedeutet nicht nur hochschulische Ausbildung, sondern auch, eine Forschungslandschaft aufzubauen. Hebammen werden zukünftig auch promovieren und habilitieren können, um Professuren zu besetzen und Forschungsvorhaben zu leiten“, sagte Bauer.

Ausbau der Pflege in Zahlen
Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Versorgungslücke in der Pflege wächst. Der Pflegereport der Bertelsmann Stiftung prognostiziert, dass die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2030 um 50 Prozent steige. Zugleich nehme die Zahl der Pflegekräfte ab. Fast 500.000 Vollzeitkräfte in der Pflege würden damit fehlen, wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen. In Teilbereichen ist daher eine stärker wissenschafts-, theorie- und evidenzbasierte Ausbildung erforderlich.

Mit dem Programm „Akademisierung der Gesundheitsfachberufe“ wurde daher die Studienkapazität in den Bereichen Pflege, Therapie und Hebammenwesen bereits seit dem Wintersemester 2015/16 deutlich ausgebaut. Aus dem Programm werden in den genannten Fachbereichen insgesamt 775 Studienanfängerplätze in neuen wie auch bestehenden Studiengängen gefördert. Davon fallen 575 Studienanfängerplätze in den Bereich der Pflege und Interprofessionellen Gesundheitsversorgung. Im Bereich Physiotherapie/Therapiewissenschaften wurden insgesamt 95 Studienanfängerplätze gefördert. Das Land orientiert sich damit an den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zu hochschulischen Qualifikationen für das Gesundheitswesen.

Das Studium der Pflegewissenschaften wurde bislang als primärqualifizierender Modellstudiengang nach dem Krankenpflegegesetz an zwei Standorten (an der Universität Tübingen/Hochschule Esslingen (Gesundheitscampus) und an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd) angeboten. Beide Standorte haben den jeweiligen Bachelorstudiengang zum Wintersemester 2020/2021 auf die Vorgaben des zum 1. Januar 2020 in Kraft getretenen Gesetzes über die Pflegeberufe umgestellt. An der Universität Tübingen/Hochschule Esslingen stehen 60 Studienanfängerplätze und an der Pädagogischen Hochschule 35 Studienanfängerplätze zur Verfügung.

Empfehlungen des Wissenschaftsrats
Der Wissenschaftsrat – das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland – empfiehlt eine Akademisierungsquote von 10 bis 20 Prozent eines Ausbildungsjahrgangs in den Bereichen Pflege und Therapie.. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass ein typisches multidisziplinäres Team im Gesundheitsbereich fünf bis zehn Personen umfasst und eine davon hochschulisch qualifiziert sein sollte.

Weiterer Ausbau angestrebt
Für die weitere Akademisierung der Gesundheitsfachberufe (insbesondere Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie) wurden im Rahmen des Hochschulfinanzierungsvertrags II Mittel eingestellt. Diese stehen unter Haushaltsvorbehalt. Das Wissenschaftsministerium wird sich dafür einsetzen, dass die Mittel für den weiteren Ausbau in diesem Bereich eingesetzt werden können.