Raubkunst

Provenienzforschung in Baden-Württemberg verstetigt

Bereits seit 2012 finanziert die Landesregierung die ursprünglich mit Unterstützung des Bundes geschaffenen drei Wissenschaftlerstellen aus eigenen Mitteln. Ab 1. Januar 2015 erhalten nun alle bislang befristet beschäftigten Provenienzforscherinnen unbefristete Verträge. Bedeutende Rückgaben belegen den verantwortungsvollen Umgang des Landes mit der Vergangenheit

Baden-Württemberg verstetigt seine Provenienzforschung. Dies gab Kunststaatssekretär Jürgen Walter bekannt. Die derzeit in den Landeseinrichtungen Baden-Württembergs tätigen Provenienzforscherinnen erhalten unbefristete Verträge. Damit bleibt der Umgang mit Raubkunst in Baden-Württemberg beispielhaft.

Staatsekretär Walter: „Wir sind uns der Verantwortung für unsere Geschichte bewusst und haben unsere Hausaufgaben gemacht. In Zeiten des allgemeinen Stellenabbaus, investieren wir, und zeigen damit, die Bedeutung, die wir der Erforschung der landeseigenen Kunstsammlungen und ihrer Bestände einnimmt.“ Bereits seit 2012 finanziert die Landesregierung die ursprünglich mit Unterstützung des Bundes geschaffenen Stellen aus eignen Mitteln. Schon damals nahm Baden-Württemberg in dieser Hinsicht eine Vor-reiterrolle ein – einen Fall Gurlitt hatte es dafür nicht gebraucht. Jetzt sollen diese Gelder dauerhaft fließen.

Bedeutende Rückgaben seit dem Regierungswechsel

Seit dem Regierungswechsel gab es bedeutende Rückgaben an die rechtmäßigen Eigentümer. Beispielsweise wurde auf Initiative des Landes das Gemälde „Die Palasttreppe“ von Francesco Guardi am 31. März 2014 zurückgeben. Gemeinsam mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier übergab Jürgen Walter das Bild, das in den Nachkriegswirren auf verschlungenen Wegen über das Kurpfälzische Museum Heidelberg in das Depot der Staatsgalerie gelangt war, an Polen.

Am 6. Juni hatte Walter zwei herausragende Kunstwerke aus der Kykladenkultur an Griechenland zurückgegeben. Die äußerst wertvollen Stücke kamen aus dem Badischen Landesmuseum (BLM).

Kurz darauf wurde die Rückgabe um 9.765 bemalte Scherbenfunde, 676 Knochen, Zäh-ne und Muscheln, sowie 185 Geräte aus Stein und Obsidian aus der Steinzeit ergänzt.

Auch die im SPIEGEL-Interview (3. November) mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, erwähnten sieben Kunstwerke aus dem Badischen Landesmuseum wurden durch die zuständige Provenienzforscherin ohne jeglichen Anstoß von außen als verfolgungsbedingt entzogene Kunstwerke identifiziert und bereits vor über einem Jahr in der Datenbank Lost Art eingestellt. Es handelt sich dabei um sechs Gemälde und eine spätgotische Skulptur. Zu ihren Recherchen, zog die Forscherin neben den museumseigenen Akten auch Archivalien aus Fremdarchiven heran, beispielsweise aus dem Stadtarchiv Mannheim. Da es auch nach fast zwei Jahren noch keine Reaktion auf die Online-Veröffentlichung dieses Fundes gab, ist das Landesmuseum nun Ende Oktober selbst an die Presse herangetreten, um die rechtmäßigen Besitzer ausfindig zu machen.

Walter: „Unabhängig, um welche Form von unrechtmäßig angeeigneter Kunst es sich handelt, Baden-Württemberg arbeitet konsequent an der Rückgabe aller Kulturgüter, von denen wir keine rechtmäßigen Besitzer sind“.

An den vier von Restitutionsanfragen betroffenen staatlichen Museen des Landes Baden-Württemberg sind zur Zeit 29 Restitutionsverfahren anhängig, bei denen es um die Klärung der Frage einer möglichen Rückgabe von Kulturgütern an die Erben früherer jüdischer Eigentümer geht.

Insgesamt 23 Fälle konnten seit 2002 abgeschlossen werden. In 13 Fällen wurden Gemälde, Zeichnungen oder Kunstgegenstände zurückgegeben und sechsmal der Kunstgegenstand vom jeweiligen Landesmuseum zurückgekauft, während sich in zwei weiteren Fällen mit den Erben eine Verständigung dahingehend erzielen ließ, den Kunstgegenstand im jeweiligen Museum zu belassen. In mehreren Fällen stellten sich die von Erbenvertretern und Anwälten an die Museen herangetragenen Ansprüche nach zum Teil aufwendigen Recherchen der jeweiligen Provenienzforscherin allerdings auch als unbegründet heraus.