Große Landesausstellungen bilden seitdem einen Schwerpunkt der baden-württembergischen Kulturpolitik. Sie sind umfangreiche und herausragende Ausstellungen, die ein spezifisch auf den südwestdeutschen Raum bezogenes Thema behandeln oder den Sammlungs- oder Forschungsschwerpunkt des jeweiligen Landesmuseums widerspiegeln. Mit ihrer Ausrichtung auf das Land, seine Kultur und seine Geschichte stärken die Großen Landesausstellungen auch die kulturelle Identität Baden-Württembergs.
Das Ausstellungstableau zeigt die Qualität und Bandbreite der staatlichen Sammlungen in Baden-Württemberg. Neben den kulturhistorischen Museen präsentieren sich die naturwissenschaftlichen, technischen und kunstbezogenen Häuser gleichermaßen als Ausrichter der Großen Landesausstellungen und profilieren sich mit herausragenden Ausstellungen bundesweit und international.
Bedeutende Beispiele sind die Ausstellungen „Oskar Schlemmer. Visionen einer neuen Welt“, „Welterbe des Mittelalters – 1.300 Jahre Klosterinsel Reichenau“, „500 Jahre Bauernkrieg“, „Azteken“, „Leben im Bernsteinwald“ oder auch „2 Räder – 200 Jahre. FREIHERR VON DRAIS UND DIE GESCHICHTE DES FAHRRADES“. Katharina Grosse bespielte das Kunstgebäude in Stuttgart mit der Großen Landesausstellung „The Sprayed Dear“.
Laufende und geplante Große Landesausstellungen
Mittendrin! Jüdisches Leben im deutschen Südwesten
Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Oktober 2026 – Dezember 2027
1945 unvorstellbar, heute Realität: Jüdinnen und Juden empfinden den deutschen Südwesten wieder als ihre Heimat. Die Geschichte ist präsent und doch richtet sich der Blick auf die Zukunft. Zugleich ist jüdisches Leben durch Antisemitismus bedroht. „Mittendrin! - Jüdisches Leben im deutschen Südwesten“ wird von der Gegenwart ausgehend am Beispiel des deutschen Südwestens Beziehungsgeschichten von Juden und Nichtjuden vom frühen 19. Jahrhundert bis in die 2020er Jahre erzählen. Die Ausstellung beleuchtet erstmals die gemeinsame Geschichte von Minderheit und Mehrheit auf der persönlichen Ebene von Beziehungen in ihren Erfolgen und ihren Brüchen. Wie überall in Deutschland ist bis 1933 auch im deutschen Südwesten die Geschichte der jüdischen Minderheit eine fragile Inklusion in die Mehrheitsgesellschaft, stets bedroht von einer virulenten Judenfeindschaft. Sie ist untrennbar verknüpft mit der Modernisierung des Südwestens, selbst wenn die Voraussetzungen zur Teilhabe in den Landesteilen nie ganz identisch waren. Nach 1945 bestand auf jüdischer Seite der Eindruck, an einem „unmöglichen Ort“ zu leben, auf nichtjüdischer dominierten lange Schuldabwehr, Verdrängung und Erinnerungsverweigerung. Beziehungen waren lange überlagert von den Erfahrungen des Nationalsozialismus und sind es noch heute. Vor dem Hintergrund von Geschichtsumdeutungen und leider aktueller antisemitischer Bestrebungen beleuchtet die Ausstellung auch die Komplexität jüdisch-nichtjüdischer Beziehungen angesichts populistischer Strömungen und Migration in einem von Diversität geprägten Baden-Württemberg.
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Der Kosmos. Wie Sterne die Welt erklären.
Technoseum Mannheim, ab Dezember 2026
Der Blick in den Himmel übt auf die Menschen seit jeher eine enorme Faszination aus - ob zur Verortung der Sterne und zur Berechnung des Laufs der Planeten oder zur vermeintlichen Deutung der persönlichen Zukunft. In diesem vielschichtigen Thema trifft komplexe wissenschaftliche Forschung auf Populärkultur und Pseudowissenschaftliches wie auch auf philosophische und metaphysische Fragen. Damit spricht die Ausstellung ein breites Publikum an. Das TECHNOSEUM verfügt mit Instrumenten und Dokumenten der Sternwarte Mannheim vom 17. Jahrhundert bis in die 1980er Jahren über eine bedeutende Sammlung, die jetzt in diesem Zusammenhang gezeigt wird. Die Ausstellung nimmt die Kultur- und Technikgeschichte der Beobachtung von Himmelskörpern und des Universums in den Blick und spannt einen zeitlich und inhaltlich breiten Bogen von megalithischen Steinkreisen bis zur modernen Astronomie und Astrophysik, die auf theoretischen Grundlagen wie Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie beruht. Daneben stellt das Technoseum auch die Geschichte der Astrologie, ihrer Methoden und Wirkungen dar und geht in der Ausstellung der Frage nach den Gründen für ihre bis heute ungebrochene Popularität nach.
1001 Gesichter der Vielfalt
Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Mai – November 2027
Die Große Landesausstellung führt vom historischen Kuriositätenkabinett der Natur über die aktuellen Spitzentechnologien in der Wissenschaft hin zur Bedeutung von der Vielfalt des Lebens auf der Erde: Der Bogen spannt sich von der Vergangenheit der biologischen Vielfalt, wie sie sich in Bernstein und Fossilien zeigt, über das Aussterben von Arten und das Aufkommen neuer Arten bis zu aktuellen Fragen der Gegenwart, wie die Biodiversitätskrise.
Im Zentrum stehen Arten, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Naturkundemuseum Stuttgarts mithilfe vielfältiger Forschungsansätze entdeckt wurden.
Sie sind das verbindende Element zwischen Forschung und Vermittlung und werden in der Ausstellung vielschichtig und bildstark inszeniert. Ausgehend von der Ästhetik dieser “Gesichter der Vielfalt” weckt die Ausstellung Emotionen, indem sie die Besucherinnen und Besucher mit Geschichten zur Lebensweise und Evolution, aber auch zur spannenden Entdeckungsgeschichte der einzelnen Arten anregt, sich individuell mit der wissenschaftlichen und kulturellen Bedeutung von Vielfalt auseinanderzusetzen.
Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart
Barock in Württemberg und Europa – Inszenierung und Illusion (Arbeitstitel)
Landesmuseum Württemberg, Oktober 2027 – April 2028
Die Große Landesausstellung „Barock in Württemberg und Europa – Inszenierung und Illusion“ (Arbeitstitel) ist für 2027/28 das kulturelle Leitprojekt im Landesmuseum Württemberg. Anlässlich des 300. Geburtstags von Herzog Carl Eugen von Württemberg präsentiert das Museum erstmals eine Ausstellung, die den württembergischen und europäischen Barock aus der Perspektive von gesellschaftlicher Inszenierung, politischer Macht und globalen Verflechtungen betrachtet – und diese Themen mit der Gegenwart in Beziehung setzt.
Der Barock war eine Epoche großer Gegensätze: prachtvolle Hofkultur traf auf soziale Not, religiöser Einfluss auf politischen Machtanspruch, kultureller Austausch auf kriegerische Umbrüche. Diese Spannungen greift die Große Landesausstellung auf und überträgt sie in ein zeitgemäßes Präsentationsformat, das historische Objekte mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbindet. So entsteht ein Angebot mit großer Reichweite, hoher Identifikationskraft und Potenzial für öffentliche Debatten. Die Große Landesausstellung ist mehr als ein Blick zurück auf das 18. Jahrhundert. Sie ist ein Spiegel gesellschaftlicher Mechanismen, ein Kulturprojekt, das Vergangenheit und Gegenwart verbindet und zentrale Fragen unserer Zeit verhandelt.
2025
Katharina Grosse. The Sprayed Dear
Staatsgalerie Stuttgart, April 2025 – Januar 2026
2024
500 Jahre Bauernkrieg. Eine Landesausstellung in 5 Projekten
Landesmuseum Württemberg, September 2024 - Oktober 2025
THE hidden LÄND – Wir im ersten Jahrtausend
Archäologisches Landesmuseum, September 2024 – Januar 2025
Welterbe des Mittelalters. 1.300 Jahre Klosterinsel Reichenau
Badisches Landesmuseum, April 2024 – Oktober 2024
2022
Liebe. Was uns bewegt
Haus der Geschichte, Oktober 2022 – Juli 2023
2021
Arbeit & Migration. Geschichten von hier
Technoseum, November 2021 – Juni 2022
Anthropozän – Zeitalter? Zeitenwende? Zukunft?
Staatliches Museum für Naturkunde Stuttgart, Oktober 2021 – Juni 2022
Neobiota - Natur im Wandel
Staatliches Museum für Naturkunde Karlsruhe, November 2021 – September 2022
2020
Fashion!? Was Mode zu Mode macht
Landesmuseum Württemberg, Oktober 2020 – April 2022


