Der Dialogprozess „Zukunftslabor Hochschulen in der digitalen Welt“ geht auf den Koalitionsvertrag 2021-2026 zurück: Die Digitalisierung soll auch nach der Pandemie vorangetrieben werden. Als Auftakt fand am 8. Juli 2022 der Zukunftsworkshop „Hochschulen in der digitalen Welt“ in Mannheim statt.
Beim Zukunftsworkshop „Hochschulen in der digitalen Welt“ am 8. Juli 2022 in Mannheim bearbeiteten rund 150 Personen aller Statusgruppen der Hochschulen (Hochschulleitungen, Lehrende, Forschende, Studierende und Verwaltungsmitarbeitende) aktuelle Digitalisierungsthemen in den Bereichen Lehre, Forschung und Administration sowie in Querschnittsthemen. Im Rahmen von 22 World Café-Tischen formulierten sie rund 160 Anregungen, Vorschläge und Empfehlungen. Die Ergebnisse des Zukunftsworkshops wurden in einer Ergebnisdokumentation zusammengefasst. Diese Broschüre trägt zum weiteren Informationsaustausch mit den Hochschulen bei und bildet die thematische Grundlage für den Dialogprozess.
Basierend auf 160 Anregungen aus dem Zukunftsworkshop sind kooperative und hochschulartenübergreifende Maßnahmen ausgearbeitet worden – mit dem Ziel, die Digitalisierung ganzheitlich voranzutreiben. Neben diversen Hochschulakteurinnen und -akteuren waren etablierte Hochschulnetzwerke am Dialog beteiligt.
Maßnahmenpaket „Hochschulen in der digitalen Welt“
In enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen ist so ein Maßnahmenpaket entstanden, das den digitalen Wandel in Lehre, Forschung und Administration ganzheitlich voranbringen soll. Dabei werden die drängendsten Digitalisierungs-Themen der Hochschulen aufgegriffen.
Das Maßnahmenpaket umfasst Projekte für verbesserte Rahmenbedingungen in der digitalen Lehre, zum Ausbau der digitalen Forschungsinfrastruktur und zum Kompetenzaufbau im Forschungsdatenmanagement. Außerdem geht es um Verwaltungsmodernisierung. Einige dieser Projekte sind bereits abgeschlossen. Das Gesamtfördervolumen beträgt rund 10,2 Millionen Euro.
Parallel sind Anregungen und Vorschläge aus dem Zukunftsworkshop 2022 erfolgreich in bereits bestehende (Dialog-)Strukturen wie diejenigen zur Ausarbeitung der HPC-Landesstrategie und der Forschungsdatenstrategie eingespeist worden.
Das Maßnahmenpaket „Hochschulen in der digitalen Welt“ im Überblick
Projekte im Bereich Lehre:
Im Programm "Fellowships für Lehrinnovationen und Unterstützungsangebote in der digitalen Hochschullehre II" haben das Wissenschaftsministerium und der Stifterverband e.V. Anreize für die (Weiter-) Entwicklung und Erprobung digital gestützter Lehr- und Prüfungsformate, bzw. Unterstützungsangebote geschaffen. Die Themen waren so vielfältig wie die Lehre selbst: von Chatbots in der Lehre über Virtual Reality-Notfalltrainings in der Kindermedizin bis hin zu Sicherheitseinweisungen zur Sensibilisierung von potenziellen Gefahren.
Im Rahmen von bwOpenCast wurde ein zentraler Dienst zur Speicherung, Verarbeitung und Bereitstellung von Vorlesungsaufzeichnungen und anderen Videoformaten entwickelt. Solche Aufzeichnungen sind auch nach der Corona-Pandemie wichtig für ein flexibles und inklusives Studium. Die Federführung lag bei der Uni Stuttgart.
Im Rahmen des Projekts entstand der neue Landesdienst bwJupyter für die Lehre, der allen Hochschulen im Land die Möglichkeit bietet, Softwarecode einfach in die Lehre einzubinden. Die Federführung des Projekts lag hier beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT). JupyterHub hat sich international als Tool für Datenanalyse, KI-Anwendungen und Skriptsprachen etabliert. Es ermöglicht Studierenden die Entwicklung von digitalen Kompetenzen, zeit- und ortsunabhängig und unabhängig von der eigenen Hardwareausstattung. Es eignet sich besonders gut, um mit anderen Teams zu kooperieren, Software nachhaltig zu dokumentieren oder Lehrprojekte zu initiieren.
Ziel dieses zentralen Projekts ist die Einrichtung einer landesweiten intermediären Rechtsinformationsstelle für die digitale Lehre. Als Serviceeinrichtung arbeitet diese Stelle den hochschulischen Fachabteilungen aller Landeshochschulen zu und entlastet diese unmittelbar. Hinzu kommt der Aufbau einer umfassenden Wissensdatenbank sowie die Herausgabe eines Newsletters. Die Universität Heidelberg ist federführend. Die zentrale Servicestelle bwDigiRecht ist bei der Geschäftsstelle des Hochschulnetzwerks Digitalisierung der Lehre Baden-Württemberg (HND-BW) am KIT angesiedelt.
Über bwGPT wurde ein abgesicherter GPT4-basierter Chatbot entwickelt. Lehrende und Studierende von insgesamt 15 Pilothochschulen konnten den Einsatz von KI als Arbeitswerkzeug in Lehrveranstaltungen erproben. Die Projektleitung lag beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Hochschule Aalen. Seit dem 01. Juni 2025 steht der Chatbot als Software-as-a-Service unter dem Namen „AskAlma“ allen Hochschulen zur Verfügung.
Ziel des Projekts war es, für die in den Hochschulen am meisten genutzten Lernmanagementsysteme Moodle und ILIAS die Möglichkeit zu schaffen, Lehrmaterialien direkt online freizugeben und auf zentrale Publikationsplattformen zu überführen. bwOER-CONNECT vereinfacht somit den Austausch offener Bildungsressourcen. Federführung hatte die Uni Tübingen.
In diesem Projekt wurde eine Veranstaltungsreihe für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für agile Curriculumentwicklung an Hochschulen angeboten, um z.B. KI- und Zukunftskompetenzen auch zwischen Re-Akkreditierungen aufzunehmen. Insgesamt nahmen rund 500 Personen an der Veranstaltungsreihe teil. Zudem wurde ein Vorgehensmodell der agilen Studiengangentwicklung gestaltet, wie Studiengänge konkret relevante KI-Kompetenzen identifizieren und integrieren können. Die innerhalb des Projektes entstandenen Materialien sind so aufbereitet, dass sie nachnutzbar sind.
Das Vorhaben zielt darauf ab, Open-Source Lernmanagementsysteme wie ILIAS und Moodle nachhaltig nutzbar zu machen und die digitale Souveränität im Bereich Hochschullehre zu fördern. Für ILIAS sollen grundlegende Komponenten überarbeitet werden, um die Cybersicherheit zu erhöhen und die Prüfungsfunktionen zu verbessern. Bei Moodle soll die Integration mit Campusmanagementsystemen wie HISinOne und CAMPUSonline erfolgen und eine bwMoodle-Community aufgebaut werden, um Landeshochschulen bei gemeinsamen Weiterentwicklungen zu vernetzen. Die Universität Stuttgart koordiniert das Gesamtvorhaben.
Projekte im Bereich Forschung:
bwGitLab unterstützt Forschungsteams dabei, ihre Software zu entwickeln und Projekte zu koordinieren. Der Aufbau des Landesdienstes erfolgt unter der Federführung der Universität Heidelberg. Hauptaufgabe der webbasierten Versionsverwaltung ist es, alle Änderungen an Dateien und ihrem Quellcode zu speichern und zu dokumentieren, sodass diese jederzeit nachvollzogen werden können. Mit diesen Funktionalitäten kann der Dienst auch für die Verwaltung, Versionierung und Publikation von Forschungsdaten genutzt und gewinnbringend in der Lehre eingesetzt werden.
Ziel des Projektes bwFDM CAS hybrid ist es, im Rahmen des Zertifikatskurses Forschungsdatenmanagement (Certificate of Advanced Studies, CAS) Datenfachkräfte zu „Data Stewards“ auszubilden. Der Kurs soll als hybrider, modular aufgebauter Blended Learning Kurs angeboten werden. Data Stewards werden angesichts der wachsenden Bedeutung des Forschungsdatenmanagements an Hochschulen dringend benötigt. Es handelt sich um ein strategisches Pilotprojekt im Rahmen des Umsetzungskonzepts der Forschungsdatenstrategie des Landes Baden-Württemberg, die von der Landesinitiative Forschungsdaten (bwFDM) vorangetrieben wird. Die Federführung liegt bei der Universität Konstanz.
Projekte im Bereich Administration:
Im Projekt „Prozessorientierter Aktenplan“ wurde eine für alle Hochschulen in Baden-Württemberg passende prozessorientierte Muster-Ablagesystematik erarbeitet. Dabei entstand ein Referenzaktenplan, der als anpassbare Vorlage in die Dokumentenmanagement-Systeme der Hochschulen eingelesen werden kann. Die elektronische Aktenführung und eine moderne durchgängig digitale Vorgangsbearbeitung werden dadurch möglich. Das Projekt schuf - unter Federführung der Universität Konstanz - eine wichtige Grundlage für weitere Digitalisierungsvorhaben.
Ziel des Projekts bwKI-Transfer ist es, zu erfassen, in welchen Bereichen der Hochschulverwaltung unterstützende KI-Anwendungen bereits jetzt einen sinnvollen Mehrwert liefern. Im Projekt werden daher die Möglichkeiten und Erkenntnisse zum Einsatz von KI in der Hochschulverwaltung unter allen einschlägigen Aspekten (u. a. ethisch, rechtlich, kultureller Wandel) betrachtet, zusammengeführt und allen baden-württembergischen Hochschulen zur Verfügung gestellt. Unter Federführung der Universität Mannheim werden gezielt bereits verfügbare KI-Anwendungen auf Einsatzszenarien in der Hochschulverwaltung getestet und mehrere Systeme (u. a. Chatbot-System, Smart-Assistent zur Informationsverarbeitung, Online-Studienorientierungstool) pilotiert.
Das Projekt ProzessProjekt.digital trägt maßgeblich dazu bei, den digitalen Wandel administrativer Prozesse an Hochschulen zu harmonisieren und systematischer zu gestalten. Hierfür werden konkrete Vorgehensmodelle für die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen in Form einer Handreichung entwickelt. Zudem wird ein standardisierter Methodenbaukasten erarbeitet, der erprobte Werkzeugewie Leitfäden, Checklisten, Best-Practice-Beispiele und Schulungsmaterialien umfasst und eine flexible Anwendung in unterschiedlichen Hochschulkontexten ermöglicht. In der Praxis sind diese einfach anzupassen und unterstützen die Hochschulen effektiv bei der Planung und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Das Vorhaben unter Federführung der Universität Konstanz fördert auch den Austausch zwischen den Hochschulen und den Wissenstransfer, indem es Erfahrungen aus bereits umgesetzten oder laufenden Digitalisierungsprojekten nutzt und auf diese Weise eine gemeinsame Weiterentwicklung ermöglicht.
Ziel des Projektes ist es, die Digitalisierung der Hochschuladministration durch eine bedarfsorientierte (Weiter-) Qualifizierung des Hochschulpersonals im Qualitäts- und Prozessmanagement voranzutreiben. Hierfür werden acht Prozessmanagerinnen und Prozessmanager eingesetzt, die verteilt über Baden-Württemberg tätig sind und das zielgruppenorientierte Qualitätsentwicklungsprogramm für ihre jeweilige Cluster erarbeiten und umsetzen. Sie schulen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren darin, Prozesse zu analysieren, zu optimieren und zu digitalisieren. Diese geben ihr Wissen anschließend innerhalb ihrer Hochschulen weiter. Unter Federführung der Hochschule Ravensburg-Weingarten und der Universität Ulm wird so ein landesweites Qualifizierungsprogramm entwickelt, das zu einem kulturellen Wandel hin zu einer digitalen Arbeitskultur mit optimierten digitalen Prozessen beitragen soll.
Übergreifende Initiativen:
Die bwIT-Allianz für die Wissenschaft (bwIT-AW) ist eine Kooperation der Hochschulen Baden-Württembergs zur Förderung von IT-Services, offen für alle staatlichen Hochschulen und Hochschularten zum Beitritt. Ziel ist mittels einer effizienten Bereitstellung und Erbringung hochschulübergreifender IT-Services die Unterstützung von Forschung, Lehre, Verwaltung und Studium. Die kooperierenden Hochschulen erhalten eine gesicherte Rechtsgrundlage für föderativ erbrachte und genutzte Leistungen. Durch die Zusammenarbeit sollen Doppelentwicklungen vermieden, Ressourcen optimal genutzt und Innovationen gefördert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen zu stärken und Kosten zu senken. Die Geschäftsstelle der bwIT-AW ist an der Universität Tübingen angesiedelt.
