Zur Klärung strittiger Verfahren kann seit dem 1. Dezember 2025 die von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden eingerichtete Schiedsgerichtsbarkeit NS-Raubgut angerufen werden. Die Schiedsgerichtsbarkeit ersetzt die bisherige Beratende Kommission.
Bereits erfolgte Restitutionen und Rückkäufe
In Baden-Württemberg kam es bereits zu einer Vielzahl – teilweise auch überregional beachteter – Rückgaben von NS-Raubgut. Die Sammlung Gallinek konnte beispielsweise zurückgekauft werden.
Sammlung Gallinek
Im Jahr 2020 wurde die Sammlung Gallinek aus dem Bestand des Badischen Landesmuseums restituiert. Die Sammlung des 1865 in Breslau geborenen und 1940 in Baden-Baden verstorbenen jüdischen Kunstsammlers Dr. Ernst Gallinek besteht aus 466 historischen Porzellanobjekten, Portraitminiaturen und Tapisserien.
Bereits 2008 wurde die Sammlung als NS-Raubgut identifiziert und in die Datenbank „Lost Art“ eingestellt. Nach Klärung der Erbsituation gelang es Baden-Württemberg mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, die Sammlung 2021 zurückzukaufen.
Ausgleichszahlung für das Gemälde „Pferdestall"
Rückgabe des Triptychons „Der verlorene Sohn“

Das Triptychon „Der verlorene Sohn“ von Max Slevogt befand sich von 1911 bis 1938 in der Sammlung von Eduard Fuchs. Eduard Fuchs musste bereits im März 1933 aufgrund seiner Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei vor den Nationalsozialisten nach Paris flüchten. Das Triptychon wurde 1938 in einer Kunstauktion unter Wert versteigert und gelangte 1956 in Folge eines Vermächtnisses in die Staatsgalerie.
Dank der Provenienzforschung der Staatsgalerie Stuttgart konnte die Herkunft des Triptychons geklärt und Erben von Eduard Fuchs ausfindig gemacht werden. Das Gemälde wurde 2024 an die Erben zurückgegeben. Im Mai 2025 fand zur Erinnerung an Eduard Fuchs eine Veranstaltung der Staatsgalerie statt.
Provenienzforschung in Baden-Württemberg
Die Klärung von Herkunft und Geschichte eines Kulturguts, die so genannte Provenienz, ist eine bedeutende Voraussetzung für die Rückgabe von NS-Raubgut. Bei der Provenienzforschung handelt es sich um eine komplexe, personalintensive und langfristige Aufgabe. Nicht immer wurden NS-verfolgungsbedingte Entziehungen dokumentiert, auch sind im Zweiten Weltkrieg viele Dokumente verloren gegangen oder vernichtet worden.
An der Staatsgalerie Stuttgart, der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe sowie am Landesmuseum Württemberg sowie am Linden-Museum in Stuttgart sind deshalb Dauerstellen für die Provenienzforschung eingerichtet worden. Durch diese Forschungsarbeit konnten bereits eine Vielzahl von Provenienzen abschließend geklärt und zur Grundlage für sachgerechte Rückgabeentscheidungen gemacht werden.










