Wir können die Bedeutung von Erich Schmeckenbecher und seiner Folkband ‚Zupfgeigenhansel‘ für unser Land gar nicht hoch genug einschätzen. Wir hätten nicht nur viele Lieder im Orkus der Vergessenheit verloren, es wäre uns viel Spaß und Schadenfreude vorenthalten geblieben. Und gleichzeitig hat sich Schmeckenbecher auch um die soziale Hygiene des Landes verdient gemacht. Er hat mit seiner respektlosen und klaren Haltung mit Tabus aufgeräumt und alte Volksweisen entstaubt, wie etwa das ‚Bauernlied‘ – heute noch ein Klassiker, sorgte es vor 50 Jahren beim Klerus noch für größte Irritationen. Da singt ‚Zupfgeigenhansel‘ doch tatsächlich rustikal und entwaffnend ehrlich: ‚Und die Moral von der Geschicht: Trau nicht des Pfaffen Arschgesicht!‘ Welch ein Spaß! Gleichzeitig hat Erich Schmeckenbecher eine Reihe von Volksliedern sozusagen entnazifiziert und diese wieder singbar gemacht, und mit der Aufnahme jüdischer Volkslieder in jiddischer Sprache ein besonderes Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt.
Ein Leben für das Volkslied
Bekannt wurde Schmeckenbecher in den 1970er-Jahren als Teil des Folk-Duos „Zupfgeigenhansel" gemeinsam mit dem 2023 verstorbenen Thomas Friz. Nach der Auflösung 1986 ging Schmeckenbecher seinen Weg konsequent weiter: Er vertonte Gedichte der deutschen Romantik – von Heine, Goethe, Eichendorff und Novalis –, komponierte eigene Lieder und arbeitete mit Textdichtern wie Steffen Mensching, Klaus Lage und Hans-Eckardt Wenzel zusammen.
Lieder, die aktuell bleiben
Das vor rund 50 Jahren vertonte Antikriegslied „Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne" wurde bereits in den 1970er-Jahren zur Hymne der Friedensbewegung. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine erfuhr es abermals breite Aufmerksamkeit – es wurde millionenfach abgerufen auf YouTube, TikTok und Spotify, gerade auch von einer jungen Generation. Schmeckenbechers Lieder spenden bis heute Menschen Trost und Hoffnung.
Engagement über die Bühne hinaus
Neben seiner künstlerischen Arbeit setzt sich Schmeckenbecher seit Jahrzehnten ehrenamtlich für Menschlichkeit und Toleranz ein. Im Jahr 2001 gründete er den Verein MUT (Menschlichkeit und Toleranz), dessen Vorsitz er bis zur Auflösung 2017 innehatte. Der Verein organisierte Veranstaltungen gegen Gewalt, Extremismus und Rassismus und brachte gezielt Projekte für Kinder und Jugendliche auf den Weg. Darüber hinaus engagiert sich Schmeckenbecher in der Jugendbildung: Er tritt in Schulen auf, steht Schülerinnen und Schülern für Gespräche über seine Arbeit als Komponist und Liedermacher zur Verfügung und unterstützt Arbeitsgemeinschaften – etwa eine Schul-AG, die sich um einen jüdischen Friedhof kümmert. Mit Solidaritätskonzerten hilft er zudem, soziokulturelle Zentren und Jugendclubs zu erhalten.
Weitere Informationen
Fotos der Veranstaltung können im Nachgang über https://stm.baden-wuerttemberg.de/mediathek heruntergeladen und honorarfrei verwendet werden (Quelle: Staatsministerium Baden-Württemberg/Ilkay Karakurt).


