Rede der Ministerin
Wer die Gelegenheit hatte, letzte Woche am Freitag vielleicht vor Ort, wie Frau Saint-Cast, oder digital dabei zu sein und die Verkündung der neuen Exzellenzuniversitäten zu beobachten, hat gesehen, dass manchmal zwei Buchstaben reichen, damit Freudentränen fließen, es Luftschlangen regnet und Gesichter strahlen. Denn es brauchte nur ein A und ein L für den Namen der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, damit all die, die in der Aula in Freiburg beisammen waren, sich in den Armen gelegen haben. Ich meine, man hat an den Bildern einfach gesehen, welche Anspannung, die über viele Jahre hinweg immer weiter gestiegen ist, sich mit einem Schlag gelöst hat, und zwar verdient. Denn die Universität Freiburg hat die internationale Gutachtendenkommission in diesem sehr anspruchsvollen Verfahren gänzlich überzeugt.
Hier ist ja schon gesagt worden: Man kann dem ganzen Team – und das bedeutet wirklich der ganzen Breite der Universität – nur von ganzem Herzen gratulieren. Das war und ist eine fantastische Gemeinschaftsleistung.
Dank Freiburgs Erfolg bleiben wir auch bundesweit in der Exzellenzinitiative an der Spitze; denn Baden-Württemberg ist das einzige Land im Bundesgebiet, das vier Einzelexzellenzuniversitäten hat. Es gilt zu unterscheiden: Die Verbünde haben eine andere Wertung. Tübingen, Karlsruhe, Heidelberg und Freiburg sind genannt worden. Dazu kommen 13 Exzellenzcluster an acht unserer neun Landesuniversitäten. Und vielleicht lohnt es sich, einmal darauf zu schauen, was das heißt: Es heißt nämlich, dass in den nächsten Jahren mehr als 800 Millionen € vom Bund ins Land Baden-Württemberg fließen. Das bedeutet einen enormen Schub insbesondere für unsere Forschungslandschaft.
Meine Damen und Herren, Sie haben es vielleicht im Umfeld der Exzellenzinitiative auch verfolgt: Es gibt natürlich immer wieder auch Kritik an solchen Verfahren, und es kommt immer wieder die Frage auf, was so ein Wettbewerb eigentlich mit sich bringt. Aber ich finde, gerade auch der Fall Freiburg hat gezeigt, dass es nicht nur um das Geld geht. Dieser Wettbewerb setzt an deutschen Unistandorten und auch in Baden-Württemberg enorme Kräfte der Veränderungsbereitschaft und Erneuerungsfähigkeit frei. Und er macht deutlich, was man mit sehr großem Engagement, aber eben auch mit Strategiefähigkeit und klaren Konzeptionen gemeinsam schaffen kann.
In Freiburg – Sie erinnern sich vielleicht – war es zunächst die Einwerbung von zwei Exzellenzclustern und dann die Exzellenz für die ganze Uni. Das heißt eben – ich kann nur ein paar Aspekte nennen – Expertise bei Professorinnen und Professoren, aber vor allem auch starke Interdisziplinarität, internationale Strahlkraft, explizite Programme für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler – da ist Freiburg übrigens ganz besonders gelobt worden –, innovative Angebote für Studierende, klare Transferstrategien, erfolgreiche Modelle, die die Diversität stärken. All diese Bereiche müssen international wettbewerbsfähig sein und im Miteinander voneinander profitieren – von den technischen Fächern bis zu den Geisteswissenschaften.
Dies muss jede Universität für sich selbst leisten.
Zwei Punkte sind mir in diesem Rahmen wichtig, bevor ich vielleicht auch noch auf den Konnex Wirtschaft eingehen möchte. Nadyne Saint-Cast und die Sprecherin der SPD haben gerade gesagt, wie wichtig das Thema „Standorte insgesamt stärken“ für die Studierenden ist. Sie haben – das ist nicht ganz überraschend – das Thema Wohnen in der aktuellen Situation zu Semesterbeginn angesprochen. Wir wissen, dass die Mietkosten in Deutschland für die Studierenden sehr, sehr hoch – man kann sagen: teilweise auch zu hoch – sind. Trotzdem will ich darauf hinweisen, dass es sich schon lohnt, genau hinzuschauen. Sie haben ja Zahlen in den Blick genommen. Baden-Württemberg nimmt mit einer stabilen Unterbringungsquote in den Studierendenheimen der Studierendenwerke von rund 14,3 % Platz 1 unter den westdeutschen Flächenländern ein. Das heißt, wir haben die beste Unterbringungsquote unter den westdeutschen Flächenländern. Wir haben, weil wir diese Spitzenposition halten wollen, im Moment 15 neue Studierendenwohnheime in Planung. Allein in Freiburg entstehen bis 2031 981 neue Plätze. Jetzt kann man sagen, das sei noch immer zu wenig. Ich finde, das ist schon mal eine ganze Menge. Und wir haben in den letzten zwölf Monaten in Offenburg 132 Plätze, in Freiburg 138 Plätze, in Karlsruhe 69 Plätze eröffnet. Ich finde, das ist erst mal ein Signal, auch wenn wir alle wissen, dass wir in diesem Bereich weiterarbeiten müssen und wollen.
Ich will Ihnen auch gleich sagen – weil das das nächste Thema ist, das bei diesen Debatten in der Regel kommt –: Der Wegfall des Wohnberechtigungsscheins für den Bezug eines aus den Mitteln des Programms „Junges Wohnen“ gebauten Wohnheims ist auch beschlossene Sache und wird kommen.
Ich will auch sagen – Herr Preusch hat es angesprochen –: Grundlage für diesen Erfolg in Baden-Württemberg ist – liebe Frau Wolle, es ist ganz gut, wenn man bei Schulthemen nicht nur von Rechnen, Lesen und Schreiben redet, sondern auch selbst rechnet, liest und dann das Richtige aufschreibt – eine im Bundesvergleich hervorragende Hochschulfinanzierung, an der es im Übrigen auch von den Hochschulen überhaupt keine Kritik, sondern für die es nur Lob gibt.
Ich möchte ein paar Punkte, die Sie gerade genannt haben, aufgreifen, weil sie einfach nicht stimmen. Die Budgetsteigerung um 3,5 % betrifft nicht die Personalkosten. Die Personalkosten werden nämlich vom Land Baden-Württemberg komplett ausgeglichen. Das heißt: eine Steigerung um 3,5 % auf Sachkosten, kompletter Ausgleich von Personalkosten. Ich würde Sie einfach bitten, hier richtig zu argumentieren. Für die Sanierung werden Extramittel zur Verfügung gestellt. Auch diese müssen nicht aus der Hochschulfinanzierungsvereinbarung bezahlt werden. Die Hochschulfinanzierungsvereinbarung sichert eine sehr gute Grundlagenforschung an unseren Hochschulen und eine verlässliche Grundausstattung. All das sind Dinge, die Sie vorhin in Zweifel gezogen haben.
Aber nicht nur die Hochschulfinanzierungsvereinbarung ist wichtig, sondern natürlich auch die konsequente Förderung und Priorisierung von Exzellenz.
Wir haben ja auch andere Erfolge, bei EU-Grants und Sonderforschungsbereichen. Aber wir haben unsere Universitäten durch dieses Verfahren in den letzten fünf Jahren extrem begleitet, sowohl finanziell mit 12 Millionen € als auch mit intensiver fachlicher Beratung.
Ich will auch betonen, dass die Unistandorte von Partnerschaften vor Ort profitieren – also nicht nur das Land ist wichtig –, auch mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Wirtschaft.
Ich will daran erinnern, dass wir mit 5,6 % des BIP, welche jährlich in die Forschung gesteckt werden, noch immer europaweit Vorbild sind. Das zeigt einfach: Dieses enge Miteinander von Universitäten, Hochschulen, Wirtschaft und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist die Grundlage für diesen Erfolg.
Aber im Titel der heutigen Debatte steht ja noch mehr. Vielleicht hat der eine oder die andere heute mal in den Pressespiegel geschaut. Die „Stuttgarter Zeitung“ titelt heute: Baden-Württemberg hat jetzt ein „Zukunftsministerium“. Dieses „Zukunftsministerium“ ist das Wissenschaftsministerium. Diese Zukunftsidee hat damit zu tun, dass aus der Wissenschaft heraus im Moment einfach auch entscheidende Impulse für die Wirtschaft ausgehen. Ich möchte Ihnen ein Beispiel nennen; es ist vorhin auch schon genannt worden.
Zu Beginn dieser Woche hat in Stuttgart die Messe „Quantum Effects“ stattgefunden. Schon am ersten Tag hatte diese Messe doppelt so viele Besucherinnen und Besucher wie in den letzten Jahren. Die Quantenbranche wächst im Moment enorm und hat sich verändert. Es geht jetzt stark aus den Wissenschaftseinrichtungen in Richtung Anwendung. Damit sind große Chancen verbunden. Quantencomputer können komplexe Probleme in der Zukunft schneller lösen als die klassischen Computer. Quantenkryptografie ermöglicht abhörsichere Methoden zur Datenübertragung, und Quantensensoren sind beispielsweise die Basis für hochpräzise Messgeräte in den Bereichen Navigation, Erdbeobachtung und Medizintechnik.
Ich nehme das nur als Beispiel, weil das ein Bereich ist, der im Moment stark wächst, und weil ich Ihnen an diesem Beispiel zeigen kann, welche Rolle unsere Exzellenzuniversitäten im Ökosystem in Baden-Württemberg spielen.
Wir haben uns schon 2023 im Land entschieden, den Innovationscampus QuantumBW auf den Weg zu bringen – übrigens Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium zusammen. Baden-Württemberg ist aufgrund dieser weitsichtigen Entscheidung, die schon vor ein paar Jahren getroffen wurde, und des großen Netzwerks vor Ort ein in Dichte und Vielfalt aktuell außergewöhnliches Quantenökosystem. Gerade die vier Exzellenzuniversitäten bilden zusammen mit den Universitäten Stuttgart und Ulm das akademische Zentrum.
Aber es geht um mehr. Hier kommen Academia, außeruniversitäre Forschung, Start-ups, Mittelstand und Großunternehmen zusammen. Nirgendwo sonst in Deutschland kommt Quantentechnologie auf so engem Raum zusammen – sieben Universitäten, zwölf Forschungseinrichtungen, rund 20 Start-ups und KMUs, Europas leistungsstärkstes Quantenrechenzentrum sowie Global Player der Hightechindustrie.
Warum erzähle ich Ihnen das? Weil hier an einer Technologie deutlich wird – wir könnten das für andere Bereiche wie die Medizin oder die KI durchdeklinieren –, dass wir durch diese Clusterung und Zusammenbindung der Kräfte und unserer starken Universitäten, aber eben auch der HAWs und anderer Partner, Dynamiken entfalten. Wir sehen an den gerade erst wieder vor zwei Wochen veröffentlichten Zahlen der Gründungen und der Start-ups in Deutschland bundesweit, dass die Universitäten der Ausgangspunkt für Start-up-Gründungen sind, die wir – wie wir alle wissen – so dringend brauchen, um Arbeitsplätze zu schaffen.
Ich nenne Ihnen Beispiele im Quantenbereich: NVision ist solch ein Start-up – mittlerweile sehr erfolgreich als Unternehmen –, und Linq Photonics – gerade ganz neu – versucht, die Skalierungen von Quantencomputern zu erhöhen und zu verbessern. Wenn man sich das in den Details anschaut, ist es von großer Bedeutung, dass wir diese Systeme schaffen – im Übrigen auch, um Talente international anzuwerben.
Deswegen lassen Sie mich noch ein zweites Beispiel nennen. Wir sehen verstärkt, dass bei Ansiedlungsverhandlungen, Bleibeverhandlungen mit Unternehmen die wissenschaftliche Infrastruktur eine große Rolle spielt. Denken Sie an die Gründung unseres connAIx-Graduiertenprogramms, das wir eng mit der Ansiedlung von imec in Heilbronn verbunden haben, oder an SUSS MicroTec gerade jetzt mit der Exzellenzuni KIT. Ich nenne aber auch Q.ANT, das Unternehmen, das im Bereich der photonischen Chips große Hoffnungen weckt – auch zusammen mit dem KIT und der Uni Stuttgart, was Brückenprofessuren angeht. Das sind die innovativen, neuen Formate: Brückenprofessuren, gemeinsame Forschungsprogramme, Graduiertenprogramme mit den Unternehmen gemeinsam.
Lassen Sie mich noch einen Punkt nennen, der vorhin auch genannt wurde, nämlich: Toptalente ins Land zu ziehen. Die Wissenschaftsministerinnen und -minister – so auch ich – waren in diesem Sommer in den USA, in San Francisco und in Los Angeles. Wenn man sich mit den Expertinnen und Experten dort unterhält, dann rechnen die damit, dass es 15 Jahre dauern wird, bis die Talente, die die USA gerade verlieren, wieder in die USA zurückkommen – das aber auch nur, wenn es einen schnellen Regierungs- und Programmwechsel in der Wissenschafts- und Forschungspolitik in den USA gibt.
Das heißt, wer heute international das Vertrauen junger Talente und Wissenschaftler verspielt, der wird Jahrzehnte brauchen, um dieses Vertrauen wieder aufzubauen. Deswegen können wir es uns überhaupt nicht leisten, unsere internationale Strahlkraft und unsere internationalen Kooperationen auch nur schleifen zu lassen oder gar zu ignorieren. Wir brauchen in den relevanten Zukunftsfeldern internationale Wettbewerbsfähigkeit – das nicht nur im Hochtechnologiebereich, sondern gerade auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Die internationalen Gutachtendenkommissionen haben uns alle darauf hingewiesen und ins Stammbuch geschrieben, dass die Universitäten in Deutschland in diesem Bereich fast alle besser werden müssen, um internationalen Standards weiter gerecht zu werden.
Meine Damen und Herren, kluge Schwerpunktsetzung und weitsichtige Planung zahlen sich langfristig aus und werden auch weiterhin zentral wichtig sein. Wir müssen priorisieren.
Der letzte Freitag hat bewiesen: Baden-Württemberg ist an der Spitze. Wir haben herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Ebenen des Systems. Hier studieren die talentierten Fachkräfte von morgen. Darauf können wir heute stolz sein.
Aber Exzellenz bedeutet natürlich nicht, sich auf Erfolgen auszuruhen. Exzellenz bedeutet, jeden Tag aufs Neue den Anspruch zu haben, besser zu werden, Neues zu wagen, Zukunft zu gestalten. Dafür stehen unsere Hochschulen, unsere Universitäten: für Ideen, die Innovation bedeuten, für Menschen, die Verantwortung übernehmen, und für eine Wissenschaft, die nicht nur Wissen schafft, sondern unser Land und unsere Gesellschaft, uns alle miteinander voranbringt.
