Die in Karlsruhe geborene Malerin, Grafikerin, Installations- und Videokünstlerin Ulla von Brandenburg gehört zu den international profiliertesten Stimmen der Gegenwartskunst. Ihre Gesamtkunstwerke aus Malerei, Skulptur, Textilarbeiten, Filmen und Performances entfalten neue Wirklichkeiten, die Fragen nach Erinnerung, Ritualen, gesellschaftlichen Rollen und kollektiven Bildern verhandeln. Der Landespreis ist mit 25.000 Euro verbunden.
Ulla von Brandenburg setzt weit über Baden-Württemberg hinaus Maßstäbe. Ihre Werke laden nicht nur zum Staunen ein, sondern auch zum Nachdenken. Sie hinterfragt Gewohntes und eröffnet neue Perspektiven auf unser Zusammenleben. Gerade in einer Zeit, in der unsere Gesellschaft vor großen Herausforderungen steht, brauchen wir Kunst, die Menschen bewegt, Debatten anstößt und den Dialog stärkt. Baden-Württemberg steht für diese Freiheit der Kunst und fördert sie mit Überzeugung.
Preisverleihung am 18. Juli 2027 in Bernau
Die feierliche Preisverleihung findet am 18. Juli 2027 in Bernau im Schwarzwald statt. Das Badische Landesmuseum und die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden organisieren und betreuen aus Anlass der Verleihung im Auftrag des Ministeriums eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin im Hans-Thoma-Kunstmuseum. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation.
Räume des gemeinsamen Erlebens und Nachdenkens
Die Jury war sich einig: „Ulla von Brandenburg hat ein Werk geschaffen, das in einzigartiger Weise die Grenzen zwischen Bildender Kunst, Theater und gesellschaftlicher Erfahrung überschreitet. Ihre Arbeiten eröffnen Räume des gemeinsamen Erlebens und Nachdenkens. Mit großer Sensibilität untersucht sie die Mechanismen von Ritualen, Symbolen und sozialen Rollen und macht sichtbar, wie Wirklichkeit konstruiert und erfahren wird. Ihre Kunst verbindet historische Referenzen mit höchster Aktualität und besitzt eine internationale Strahlkraft, die weit über Baden-Württemberg hinausreicht.“
Internationales Renommee und Heimatbezug
Ulla von Brandenburg wurde 1974 in Karlsruhe geboren. Sie studierte von 1996 bis 1998 Szenografie und Medienkunst an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und setzte ihr Studium von 1998 bis 2004 an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg fort. Seit 2016 gibt sie ihre Expertise als Professorin für Malerei und Grafik an die nächste Generation an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe weiter. Sie lebt und arbeitet in Paris und Karlsruhe. Ihr Werk erfährt weltweit höchste Anerkennung. So stand sie 2016 im Finale des renommierten französischen Prix Marcel Duchamp. Umfassende Einzelausstellungen in weltweit führenden Institutionen – darunter das Palais de Tokyo in Paris (2020), das Museo Reina Sofía in Madrid (2024) sowie jüngst das Ernst Barlach Haus in Hamburg (2026) und das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen (2025/2026) – unterstreichen ihre prägende internationale Bedeutung. 2022 erhielt sie im Kunstmuseum Stuttgart den „Kubus. Sparda-Kunstpreis“.
Ulla von Brandenburg gilt im internationalen Kunstkontext als eine der originärsten zeitgenössischen Stimmen, die das Konzept des multimedialen Gesamtkunstwerks konsequent weiterführt. Geprägt durch ihre Ausbildung in der Szenografie erforscht sie die Facetten des Bühnenhaften sowie die fließenden Übergänge zwischen Realität und Illusion. Charakteristisch für ihr Werk sind große textile Installationen, Filme und performative Formate, die Elemente des Theaters mit Fragen nach gesellschaftlichen Ritualen, Erinnerungskulturen und kollektiven Erfahrungen verbinden. Vorhänge, Bühnenräume und choreografierte Bewegungen fungieren als Schwellen zwischen Sichtbarkeit und Verborgenem, zwischen Realität und Inszenierung.
Landespreis für Bildende Kunst
Mit dem Landespreis für Bildende Kunst zeichnet Baden-Württemberg Künstlerinnen und Künstler aus, deren Schaffen zur Entwicklung der neueren Kunst beiträgt. Er wird seit 2025 alle zwei Jahre vergeben und setzt den historischen Hans-Thoma-Preis fort. Die Auszeichnung wird traditionell in der Gemeinde Bernau im Südschwarzwald vergeben, dem Geburtsort von Hans Thoma. Mitglieder der Jury waren diesmal: Dr. Claudia Rose (Leiterin der Kunstabteilung des Ministeriums), Dr. Claudia Emmert (Kunstmuseum Bonn), Johannes Honeck (Christian Schad Museum, Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg), Luisa Heese (Kunsthalle Mannheim), Prof. Dr. Schirin Kretschmann (Akademie der Bildenden Künste München), Prof. Dr. Eckart Köhne (Badisches Landesmuseums) gemeinsam mit Christina Lehnert (Staatliche Kunsthalle Baden-Baden). Alexander Schönemann, Bürgermeister der Gemeinde Bernau, und Margret Köpfer, Leiterin des Thoma-Museums Bernau, nahmen mit beratender Stimme teil.


