Brandenburgs Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle hat heute gemeinsam mit Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski zur Veranstaltung „Resilienz des deutschen Wissenschaftssystems – Verantwortung gemeinsam übernehmen“ in den Brandenburger Landtag in Potsdam eingeladen.
Neben Bundesforschungsministerin Dorothee Bär nahmen auch Brandenburgs Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke, Prof. Dr. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam, Dr. Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie, Prof. Dr. Ulrike Tippe, Präsidentin der Technischen Hochschule Wildau, sowie Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, mit Beiträgen an der Veranstaltung teil. Moderiert wurde sie von Dr. Eckart von Hirschhausen. Insgesamt haben sich mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter von Institutionen, Verbänden, Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie der Politik angemeldet, darunter auch die Wissenschaftsminister und -senatorinnen Dr. Ina Czyborra (Berlin), Timon Gremmels (Hessen), Falko Mohrs (Niedersachsen) und Jakob von Weizsäcker (Saarland).
Brandenburgs Wissenschaftsministerin Dr. Manja Schüle: „Wissenschaftsfreiheit ist ein Netz: Es trägt nicht, weil ein einzelner Knoten stark ist – es trägt durch die Spannung zwischen allen. Verantwortung gemeinsam übernehmen heißt deshalb nicht, dass die Last kleiner wird, wenn viele sie tragen. Es heißt: keine Ausrede für niemanden. Strukturen können wir bauen, Geld können wir sichern – aber Haltung kann man weder beschließen noch delegieren. Was es heute braucht, ist der Mut der Selbstbehauptung: etwas zu verteidigen, das man verlieren kann und das wir zu lange für selbstverständlich hielten. Diesen Mut und diese Haltung kann niemand jemandem abnehmen.“
Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Petra Olschowski: „Der Prozess der letzten Monate hat deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, die Rahmenbedingungen, die die Wissenschaftsfreiheit garantieren, in den Blick zu nehmen und zu stärken. Dass die Freiheit von Wissenschaft und Forschung im Grundgesetz verankert ist, ist ein hohes Gut. Sie ist die Grundlage für Innovationskraft, Vielfalt von Perspektiven, Ergebnisoffenheit. Und: sie ist nicht selbstverständlich. Es liegt an Politik, Gesellschaft und nicht zuletzt an der Wissenschaft selbst, sich für diese Freiheit und Autonomie einzusetzen. Dabei geht es gleichermaßen um starke unabhängige Institutionen wie um kritische und autonome Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Beides gilt es zu schützen. Ich danke allen Akteurinnen und Akteuren, die sich in den letzten Monaten konstruktiv in diesen Prozess eingebracht und konkrete Vorschläge erarbeitet haben, die wir jetzt aufgreifen werden!“
Bundesforschungsministerin Dorothee Bär: „In unserem Land ist die Wissenschaftsfreiheit im Grundgesetz verankert. Das ist unser Wettbewerbsvorteil. Sie zu bewahren, ist unsere Aufgabe, denn wer die Freiheit liebt, übernimmt auch Verantwortung für sie und schützt sie. Dafür stehen Bund und Länder gemeinsam ein.“
Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke: „Ich wünsche mir, dass von dieser heutigen Veranstaltung ein Signal für die Wissenschaftsfreiheit ausgeht. Resilient ist ein Wissenschaftssystem nicht alleine von glänzenden Veröffentlichungen, Preisen und Patenten. Resilient ist es, wenn es unter Druck handlungsfähig bleibt. Wenn eine Forscherin weiterarbeiten kann, obwohl sie angefeindet wird. Resilient ist Wissenschaft, wenn sie durch Politik Unterstützung erfährt und für die Gesellschaft nutzbar gemacht werden kann. Wissenschaft gewinnt Vertrauen durch Nachvollziehbarkeit, durch Integrität. Die gewünschte Orientierung, abgeleitet vom wissenschaftlichen Fachwissen, muss Politik geben.“
Prof. Dr. Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrates: „Die Wissenschaft trägt Verantwortung für die Gesellschaft. Sie schafft Wissen und bringt Erkenntnisse in Debatten ein, um zentrale Herausforderungen zu lösen. Mehr denn je sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute gefragt, den Dialog mit der Gesellschaft zu suchen und Kritik ernst zu nehmen. Wissenschaft darf Fehler machen, aber sie muss offen damit umgehen. Zugleich muss sie und müssen vor allem einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Anfeindungen geschützt und in ihrem Engagement unterstützt werden.“
Prof. Dr. Frauke Brosius-Gersdorf, Professorin für Öffentliches Recht an der Universität Potsdam: „Unabhängige Wissenschaft ist ein elementarer Stützpfeiler unserer freiheitlichen Demokratie. Angriffe auf sie dienen dazu, das öffentliche Vertrauen in Wissenschaft zu zerstören, wissensbasierte Erkenntnisse zu schwächen, unabhängige Forschung und Lehre zu unterbinden und politische Ziele durchzusetzen. Wissenschaftsfeindlichkeit durch Delegitimierung, finanzielle Schwächung oder Steuerung, institutionelle Blockaden oder Angriffe auf einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler muss vorgebeugt und entgegengetreten werden. Hierfür tragen alle Akteure der Wissenschaftscommunity Verantwortung.“
Dr. Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: „Wissenschaft liefert Erkenntnisse. Sie schafft damit die Grundlagen für rationale Entscheidungen demokratischer Politik. Eine resiliente Wissenschaft ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für eine resiliente Demokratie.“
Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Markschies, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie: „Für ein resilientes Wissenschaftssystem ist Solidarität mit seinen angegriffenen Teilen – Individuen und Institutionen – essenziell. Schon rein sprachlich hat Solidarität etwas mit Resilienz zu tun: Die lateinische Wurzel des Begriffs ist im Deutschen mit dem Wort ‘fest‘ zu übersetzen. Resilienz meint Festigkeit. Wir stärken die Solidarität im Wissenschaftssystem, wenn die Leitungen der Institutionen wie alle Mitglieder im Rahmen ihrer Ausbildung lernen, sich für Zivilcourage einzusetzen und Verantwortung für Andere und das Ganze zu übernehmen. Der gegenwärtig stattfindende Kulturwandel hin zu einem weniger hierarchischen Wissenschaftssystem stärkt diese Werte im System, wenn alle sich dafür einsetzen. Die Akademien der Wissenschaften und insbesondere die Hauptstadtakademie BBAW setzen sich dafür ein, diesen Kulturwandel so zu verstehen und zu gestalten, dass er zur Resilienz des gesamten Wissenschaftssystems beiträgt."
Prof. Dr. Ulrike Tippe, Präsidentin der Technischen Hochschule Wildau: „Die Hochschulen sind jede für sich genommen wichtige Knotenpunkte insbesondere unseres Wissenschaftssystems. Um dessen Resilienz nachhaltig zu stärken, kommt es demnach auf jede einzelne Hochschule an, aktiv Verantwortung zu übernehmen. Hierfür braucht es ein klares Selbstverständnis inklusive gemeinsamer Werte, die tatsächlich gelebt und auf Augenhöhe mit der Gesellschaft diskutiert werden. Auf dieser Basis gilt es, hochschulübergreifende Kooperationen intensiv zu nutzen sowie kontinuierlich aus- und aufzubauen. Denn klar ist: Ein starker Schulterschluss macht uns gemeinsam stark. Ich freue mich daher sehr, im Rahmen der heutigen Veranstaltung wichtige Impulse in genau diese Richtung setzen zu können.“
Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft: „Verantwortung für ein resilientes Wissenschaftssystem tragen wir gemeinsam – in Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Es braucht nicht nur ein klares Selbstverständnis innerhalb der einzelnen Institutionen und Unternehmen. Es braucht auch Allianzen über diese Sektoren hinweg, um die Relevanz freier Wissenschaft für Wohlstand und eine starke Demokratie mit ganz unterschiedlichen Perspektiven für die Menschen verständlich und nachvollziehbar zu machen.“
Die Wissenschaftsministerinnen von Baden-Württemberg und Brandenburg befassen sich im Auftrag der Wissenschaftsministerkonferenz federführend mit dem Thema „Resilienz in der Wissenschaft“. Hintergrund sind die weltweit zunehmenden Angriffe auf die Freiheit von Wissenschaft und Forschung in den vergangenen Jahren. Auch in Deutschland stellen extremistische Kräfte die Grundprinzipien unseres Wissenschaftssystems offen infrage – mit massiven Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft.
Eine demokratische Gesellschaft lebt von ihrer Fähigkeit, Wissen hervorzubringen, einen offenen Erkenntnisaustausch und eine konstruktive Fehlerkultur zu fördern sowie Forschungsergebnisse in verantwortungsvolles politisches und gesellschaftliches Handeln zu übersetzen. Die Stärke eines Wissenschaftssystems zeigt sich dabei nicht nur in seiner Innovationskraft, sondern ebenso in seiner Fähigkeit, auch unter wachsendem gesellschaftlichem und politischem Druck unabhängig, offen und dialogfähig – kurzum: resilient – zu bleiben.
Eine erste Veranstaltung zu dem Thema fand im Februar 2026 in Mannheim statt, ausgerichtet von Baden-Württemberg. Daran anknüpfend wurden heute in Potsdam die nächsten Schritte diskutiert, die notwendig sind, um das Wissenschaftssystem in Deutschland zukunftssicher aufzustellen. Dabei ging es nicht nur um die bestehenden Bedrohungen, sondern auch darum, die Akteure und Kräfte sichtbar zu machen, die das System stützen und tragen.
Hinweis: Die Veranstaltung wird live über den YouTube-Kanal des Ministeriums unter
www.youtube.com/@MWFKBB gestreamt und kann dort auch nach Ende der Veranstaltung abgerufen werden.


