Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst setzt konsequent fort, was wir in der letzten Legislatur bereits in die Spur gebracht haben: Grundlage ist ein solides Fundament mit einer stabilen und verlässlichen Grundfinanzierung im Rahmen der Hochschulfinanzierungsvereinbarung, aber auch klare Schwerpunktsetzungen – vor allem mit den Innovationscampus-Modellen.
Mit Blick auf den neuen Koalitionsvertrag haben wir klare Ziele: mehr Innovation, mehr Gründungen, mehr Wachstum im Land.
Die starke Hochschullandschaft in Baden-Württemberg ist entscheidend dafür, dass wir eine der führenden Innovationsregionen weltweit bleiben. Wir setzen gezielt auf die Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Health and Life Science, Mobilität der Zukunft, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Verteidigung, Green Tech, Wasserstoff, Batterien oder Quantentechnologie. Denn in diesen Feldern entscheidet sich die industrielle Zukunft. Innovationen sind entscheidend für unseren künftigen Wohlstand. Aber nicht nur das: Sie entscheiden auch über unsere Souveränität.
Unsere fünf wichtigsten Projekte nach 100 Tagen
- Mit MAT-TRIx entsteht unter der Federführung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ein nationales Innovations- und Technologiezentrum für die Schlüsseltechnologien zukünftiger Fusionskraftwerke. Der Hub schließt die Lücke zwischen exzellenter Forschung und industrieller Umsetzung.
- Drei Hubs für die Fusionsforschung – Ökosysteme, die Wissenschaft, Wirtschaft und Start-ups für Innovationen verzahnen – hatte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zur Förderung ausgeschrieben. Heute (29.07.) wurde die Entscheidung bekannt gegeben: Einer der Hubs kommt nach Baden-Württemberg an das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das BMFTR fördert den Hub zu Beginn mit rund 30 Millionen Euro.
- Das Fusionsmateriallabor am KIT konzentriert sich auf die Erforschung und Entwicklung von Materialien, die in der Lage sind, den extremen Bedingungen in einem Fusionsreaktor standzuhalten. Dazu gehören:
- Plasmamaterialwechselwirkungen: Die Forschung untersucht, wie Materialien mit dem heißen Plasma in einem Fusionsreaktor interagieren und wie sie sich unter diesen Bedingungen verändern.
- Strahlenschäden: Die Forscher untersuchen, wie Materialien auf Strahlung reagieren und wie sie sich unter dem Einfluss von Neutronen und anderen Teilchen verändern.
- Korrosion und Degradation: Die Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung von Materialien, die resistent gegen Korrosion und Degradation sind, um die Lebensdauer von Fusionsreaktoren zu verlängern.
- „Wie schnell die Fusion im Energiemix der Zukunft eine Rolle spielen kann, hängt maßgeblich von technologischen Fortschritten in der Materialforschung und der Entwicklung des Brennstoffkreislaufes ab. Und genau hier spielen die Karlsruher Forscher in der globalen Spitzenklasse: Für Fusionsreaktoren geeignete Materialien sind ein entscheidender Baustein bei der Ermöglichung der Fusion. Gleichermaßen relevant ist die Schlüsselkompetenz des KIT eines sicher und nachhaltig funktionierenden Brennstoffkreislaufes, einschließlich der Erzeugung des für den Fusionsprozesses notwendigen Tritiums. Der Zuschlag für einen der drei Hubs festigt die führende Rolle Baden-Württembergs in der Fusionsforschung nun dauerhaft. Es ist ein klarer Beleg dafür, dass wir mit unserem Fokus auf Zukunftstechnologien und der Ausrichtung auf die Hightech Agenda Deutschland erfolgreich sind“, betont Ministerin Olschowski.
- Petra Olschowski: „Wir stehen beim Hochschulbau weiterhin vor dem großen Spagat, den Sanierungs- und Modernisierungsrückstand abbauen zu müssen (etwa Hitzeschutz, Energieversorgung) andererseits ist der Bedarf an neuer Infrastruktur weiterhin immens. Auf der einen Seite haben wir somit Gebäude aus den 70er Jahren die unbedingt saniert werden müssen, auf der anderen Seite haben wir das Hightech Forschungslaborgebäude mit höchsten internationalen Standards. Aber das ist kein Gegensatz, sondern das gehört zusammen. Diese Herausforderung gehen wir an. Damit das Geld auch effektiv ankommt, sind drei Ziele für uns handlungsleitend: Klare Priorisierung, mehr Tempo und eine bessere Krisenvorsorge“
- Insbesondere der nationale und internationale Wettbewerb mit grundlegend neuen baulichen wie technischen Anforderungen erfordert eine High-Tech-Infrastruktur, die in Bestandsgebäuden kaum realisierbar ist.
- Sanierung ist eine Frage des Klimaschutzes. Sanierung ist aber auch Frage der Wettbewerbsfähigkeit: Die Forschung im Bereich der Zukunftstechnologien kann nur sehr eingeschränkt in den Infrastrukturen des letzten Jahrhunderts erfolgen. Wenn wir die notwendigen Investitionen nicht tätigen, schwächt das die internationale Stellung unserer Hochschulen.
- Das reicht von Stromanschlüssen für die Laptops bis zu Rechenzentren und neuesten Höchstleistungsrechnern, von Cybersicherheit-Infrastruktur bis Laborausrüstung. Modernisierung ist nötig für neue IT-Infrastruktur für Künstliche Intelligenz und Big Data in der Forschung.
- Mit allein in diesem Jahr rund 750 Millionen Euro Baubudget im Hochschul- und Hochschulmedizinbau setzen wir bundesweit Standards. Dieses Budget wird durch die Sondermittel des Bundes zusätzlich verstärkt.
- Über die „Schnellbau-Initiative“ erhält Baden-Württemberg nach dem Königsteiner Schlüssel in den Jahren 2026 bis 2029 zusätzlich 526 Millionen Euro für den Kita- und Hochschulbau. Davon werden rund 60 Prozent für den Hochschulbau eingesetzt. Die verbleibenden 40 Prozent gehen in den Ausbau der Kindertagesbetreuung.
- Petra Olschowski: „Wir haben die größte Dichte an Hochschulen in Deutschland und die meisten Exzellenzuniversitäten. Heilbronn hat sich in den vergangenen Jahren zu einem neuen Wissenschafts- und Innovationsstandort entwickelt, um den uns viele in Deutschland beneiden. Dort kommen starke Partner zusammen – Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Unternehmen und eine Stiftung, die neue Möglichkeiten eröffnet. Genau darum geht es: vorhandene Stärken weiter auszubauen. Daher haben die Universitäten KIT, Stuttgart und Tübingen sich zusammengeschlossen, um mit connAIx einen Leuchtturm für Forschung und Graduiertenausbildung im Bereich der angewandten KI in Heilbronn aufzubauen. Entscheidend ist aber nicht der Standort allein, sondern das Prinzip: Forschung soll gemeinsam mit Unternehmen entstehen und schneller in die Anwendung kommen. Dieses Modell kann Impulse für das ganze Land geben. Für die nächsten Durchbrüche in den Schlüsseltechnologien brauchen wir Talente und Nachwuchs im Land!“
- Das Land fördert connAIx im Vollausbau von 2029 an mit rund 30 Millionen Euro pro Jahr – einschließlich zehn neuer Professuren mit Schwerpunkt Promotionsbetreuung. In Heilbronn werden insgesamt bis zu 60 internationale Promovierende sowie 20 Postdoktorandinnen und Postdoktoranden forschen, um sich für Spitzenpositionen in Wissenschaft, Industrie und Start-Ups zu qualifizieren.
- Mit der Spitzenberufung von Professorin und Leibnizpreisträgerin Veronika Eyring an der Uni Tübingen und am connAIx ist die erste von drei Gründungsdirektorinnen besetzt. Damit kann connAIx offiziell am 1. September dieses Jahres mit einer Geschäftsstelle seine Arbeit am Bildungscampus in Heilbronn aufnehmen.
- Der Innocampus Sicherheit und Verteidigung (SuV) soll zentrale Anlaufstelle für sicherheitsrelevante Forschung in Baden-Württemberg werden: Mehr Vernetzung, schnellere Wege, mehr Sichtbarkeit und Impulse für neue Forschung und Dual-use-Wertschöpfung
- Unsere universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Bereich der Luft- und Raumfahrt besitzen internationale Strahlkraft – das DLR zum Beispiel ist gleich mit mehreren Standorten in Baden-Württemberg vertreten.
- Das Netzwerk besteht aus universitären und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer, Hochschulen und Unis und einem breiten Netzwerk aus Unternehmen.
- Eine der größten Fakultät für Luft- und Raumfahrt in Europa befindet sich an der Uni Stuttgart. Als Landesregierung finanzieren wir zudem aktuell einen neuen Hyperschallkanal an der Universität Stuttgart mit in Europa derzeit nicht vorhandenen Versuchsbedingungen für zivile und militärische Forschung.
- 40 Prozent aller Arbeitsplätze im Bereich der Luft- und Raumfahrt befinden sich in Baden-Württemberg. Rund 20 Prozent des bundesweiten Umsatzes der Sicherheits- und Verteidigungsbranche werden hier erwirtschaftet.
- Beispiele für konkrete Projekte, die im Innocampus angegangen werden sollen:
- Satellitengestützte Erdbeobachtung für zivile und militärische Zwecke
- modernste Sensorik, die auch hohen Anforderungen für Gefechtssituationen gerecht wird
- Engere Anbindung an die unternehmerischen Fähigkeiten im Bereich der Luftabwehr (etwa Abwehr von Hyperschallraketen)
- Nutzung der umfangreichen Forschungsstärken im Land hinsichtlich Cybersecurity für den Schutz gesamtgesellschaftlich relevanter Einrichtungen
- Petra Olschowski: „Wir bündeln die industriellen Potentiale der Verteidigungsindustrie im Land und unsere wissenschaftliche Stärke unter anderem im Bereich Luft- und Raumfahrt und angrenzenden Forschungsbereichen. Es geht darum, die die strukturelle Lücke zwischen der strategischen Bedeutung sicherheitsrelevanter Forschung und ihrer praktischen Verankerung im Innovationssystem zu schließen.
- Arbeitsplätze, Wertschöpfung und mehr Souveränität: Das Unternehmen SUSS MicroTec SE, das KIT und die Landesregierung bündeln ihre Kräfte für den strategischen Ausbau des Mikroelektronik-Netzwerks im Land: SUSS ist einer der weltweit führenden Hersteller von Anlagen für die Halbleiterindustrie. Das Unternehmen ist seit mehreren Jahren auf einem starken Wachstumskurs. Die Anwendungen von SUSS leisten bereits heute einen entscheidenden Beitrag in der Fertigung fortschrittlichster Halbleiter und tragen zur Weiterentwicklung von Hochleistungsrechnern und künstlicher Intelligenz bei.
- Baden-Württemberg verfolgt mit dem Runden Tisch „Chip-Ökosystem“ intensiv die Stärkung der Wertschöpfungskette in der Mikroelektronik und unterstützt die europäischen Souveränitätsziele im Rahmen des EU Chip Acts.
- Die globale Halbleiterindustrie wird voraussichtlich im Jahr 2026 einen jährlichen Umsatz von nahezu einer Billion US-Dollar erreichen, angetrieben durch den sich weiter verstärkenden KI-Boom. Für Baden-Württemberg als ein Bundesland mit einer sehr starken Maschinen- und Anlagenbau-Industrie bieten sich damit herausragende Möglichkeiten, in einer exzeptionellen Wachstumsbranche weiter zu expandieren.
Die Vereinbarung mit SUSS umfasst im Einzelnen:
- Einrichtung einer neuen Professur für Advanced Packaging und Heterointegration am KIT: Die Professur soll zentrale Herausforderungen der modernen Mikro- und Nanotechnologie entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Materialien über Prozesse bis hin zur Systemintegration, abdecken. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag, um Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität Deutschlands durch gezielte Förderung von Schlüsseltechnologien zu stärken.
- Neubau eines Applikations- und Entwicklungszentrums in Karlsruhe: In diesem Zentrum plant SUSS seinen Kunden aus der globalen Halbleiterindustrie und der Forschung die Fähigkeiten der Anlagen von SUSS zu demonstrieren, neue Anlagen zu entwickeln und in enger Zusammenarbeit mit dem KIT neue Prozesse für die Halbleiterfertigung zu erforschen.
- Für den Neubau plant das Unternehmen Investitionen in Höhe von etwa 45 Millionen Euro. Neben der Verlagerung bestehender Arbeitsplätze nach Karlsruhe sollen in den nächsten Jahren bis zu circa 100 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen. Ziel ist die zeitnahe Ansiedlung von etwa 300 bis 350 Mitarbeitern mit weiteren Ausbaupotentialen abhängig vom Umsatzwachstum.











