Die strategischen Forschungsschwerpunkte im Land orientieren sich an aktuellen und zukünftigen Herausforderungen: Wissenschaft und Forschung bringen die gesellschaftliche und wirtschaftliche Transformation voran. Große Bedeutung für die Zukunft Baden-Württembergs haben insbesondere die Forschungsfelder Medizin, Lebenswissenschaften, Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik sowie Quantentechnologie, Mobilität und Nachhaltigkeit. Zunehmend wichtig wird zudem die Sicherheits- und Verteidigungsforschung. Dabei erweist sich die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft als besonders effektiv.
Innovationscampus-Modelle zu Zukunftsthemen
Wegweisend für diese Strategie sind die bundesweit einmaligen Innovationscampus-Modelle – initiiert und umgesetzt vom Wissenschaftsministerium. Jeder Innovationscampus konzentriert sich von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung auf ein Zukunftsthema beziehungsweise eine eine Schlüsseltechnologie. An den jeweiligen Standorten wächst ein Innovationsökosystem, in dem Forschende verschiedener Einrichtungen mit Unternehmen und Start-ups kooperieren und in die Gesellschaft hineinwirken. Dank dieser gebündelten Expertise werden Potenziale freigesetzt, Synergien genutzt und der Transfer in die Praxis beschleunigt. Derzeit werden in Baden-Württemberg sechs Innovationscampus-Vorhaben in strategisch relevanten Zukunftsfeldern aus- und aufgebaut:
- Künstliche Intelligenz: Innovationscampus Cyber Valley in Stuttgart, Tübingen und Karlsruhe (seit 2016)
- Mobilität und Produktion: Innovationscampus Mobilität der Zukunft in Stuttgart und Karlsruhe (seit 2019)
- Gesundheit und Lebenswissenschaften: Innovationscampus Health and Life Science Alliance in Heidelberg und Mannheim (seit 2021)
- Quantentechnologie: Innovationscampus QuantumBW mit Forschenden aus ganz Baden-Württemberg (seit 2023)
- Nachhaltigkeit: Innovationscampus Nachhaltigkeit in Freiburg und Karlsruhe (seit 2024)
- Sicherheit- und Verteidigung in Stuttgart (im Aufbau seit Ende 2025)
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Innovationscampus-Modelle ist die Verbindung von grundlagenorientierter und anwendungsnaher Forschung. Durch die Profil- und Stärkenbildung entsteht ein großer Mehrwert für den Forschungsstandort. Die Sichtbarkeit und Strahlkraft der Innovationscampus-Modelle wirken sich zudem positiv auf die Gewinnung internationaler Spitzenkräfte aus.
Strategiedialoge begleiten Transformationsprozesse
Darüber hinaus begleitet das Land bedeutende Transformationsprozesse mit Strategiedialogen. Die vier großen Dialoge zwischen Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft sind:
- Strategiedialog Automobilwirtschaft
- Strategiedialog bezahlbares Wohnen und innovatives Bauen
- Strategiedialog Landwirtschaft
- Strategiedialog Forum Gesundheitsstandort
Das Wissenschaftsministerium beteiligt sich insbesondere am Strategiedialog Automobilwirtschaft und dem Forum Gesundheitsstandort. Mit dem Strategiedialog Forum Gesundheitsstandort bringt Baden-Württemberg technologische und medizinische Innovationen weiter voran und stärkt die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft. Die Universitätsmedizin des Landes ist dabei zentraler Partner und Impulsgeber.
Weitere Schwerpunkte
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist die Luft- und Raumfahrtstrategie „THE Aerospace LÄND“. Für die Vision einer digitalen, klimafreundlichen sowie kooperativen Luft- und Raumfahrt werden baden-württembergische Forschungsaktivitäten und Initiativen ressortübergreifend gebündelt.
Bedeutende Beiträge für eine klimafreundliche und nachhaltige Zukunft leistet zudem die Energie- und Klimaforschung im Land. Die Entwicklung nachhaltiger GreenTech-Lösungen reichen von einer zukünftigen Wasserstoffwirtschaft bis zu ressourcenschonende und kreislauffähige Batterietechnologien. Außerdem engagiert sich Baden-Württemberg in der Fusionsforschung.
Das Hoch- und Höchstleistungsrechnen ermöglicht durch Mathematische Modellierung, Optimierung und Simulation Erkenntnisse an den Grenzen der Fachdisziplinen. Baden-Württemberg geht hier mit der Landesstrategie für High Performance Computing (HPC) voran. Herzstück ist das Höchstleistungsrechenzentrum Stuttgart (HLRS), das auch neuen KI-Anwendungen in Wissenschaft und Wirtschaft den Weg ebnet. Ein Konsortium um das Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart (HLRS) hat den Zuschlag für den Aufbau einer der sieben europäischen Fabriken für Künstliche Intelligenz (KI) erhalten. Die KI-Fabrik HammerHAI am HLRS Stuttgart wird Wissenschaft und Wirtschaft eine sichere und leistungsfähige Infrastruktur für die KI-Optimierung bieten.
Mit dem Ziel, die Demokratie und Zivilgesellschaft zu stärken, hat das Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) in Tübingen als erstes seiner Art seine Arbeit aufgenommen. Das Institut erforscht den Rechtsextremismus und seine gesellschaftlichen Einbettungen. Drei Professuren für Rechtsextremismusforschung werden dauerhaft vom Land Baden-Württemberg finanziert. Zusätzlich gibt es eine vierte Professur für sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung.
Darüber hinaus fördert das Land das 3R-Netzwerk, in dem vor allem Alternativen zu Tierversuchen erforscht werden.. Das 3R-Netzwerk Baden-Württemberg nimmt bundesweit eine Vorreiterrolle ein.
Transfer in die Anwendung
Über die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in den strategischen Forschungsbereichen gelangen neue Erkenntnisse in die Anwendung. Ein Baustein ist die positive Gründungskultur an unseren Hochschulen. Dieser Forschungs- und Wissenstransfer über Start-ups und Ausgründungen trägt dazu bei, dass Baden-Württemberg dauerhaft ein starker Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort bleibt.
Baden-Württemberg war hier zuletzt besonders erfolgreich mit der Einwerbung der Startup Factory NXTGN, an der vier Universitäten und eine Hochschule für angewandte Wissenschaft aus Baden-Württemberg mitwirken. Sie wird eine zentrale Innovationsplattform für Gründungen im Südwesten aufbauen.
Stark in der Nachwuchsförderung
An den Universitäten und Forschungseinrichtungen werden darüber hinaus zahlreiche Graduiertenschulen zu unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten gefördert. Das neuste Landesinitiative ist die Research School for Applied AI (connAIx) in Heilbronn. Zum Start werden dort zehn Professorinnen und Professoren, sechzig Doktoranden und zwanzig bereits promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu den technologischen Zukunftsfeldern Robotik, Chipdesign und Cyber Security forschen.
Weitere Graduiertenschulen sind beispielsweise die Graduate School Electrochemical Energy Storage zur Batterieforschung an der Universität Ulm und am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Im Bereich Künstliche Intelligenz und Robotik ist die Internationale Max-Planck-Research School Intelligente System fester Bestandteil des Cyber Valleys.
